• Die Christdemokraten verlassen sich auf ihr Markenzeichen. Der Landesvater à la Berlin - Diepgen, nichts als Diepgen

Berlin : Die Christdemokraten verlassen sich auf ihr Markenzeichen. Der Landesvater à la Berlin - Diepgen, nichts als Diepgen

Ulrich Zawatka-Gerlach

"Jetzt geht die Sonne auf", lacht der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Landowsky und freut sich, dass sein treuester und erfolgreichster Weggefährte, der Regierende Bürgermeister und CDU-Spitzenkandidat Eberhard Diepgen, seit gestern flächendeckend plakatiert wird. Diepgen, nur Diepgen, sonst (fast) nichts. Das CDU-Logo klebt unscheinbar in einer Ecke. Das Porträt, das graue Schläfen, die Falten und Fältchen nicht kaschiert, wurde Ende August im Glienicker Park, fotografiert. "Mit Diepgen haben wir den Wahlkampf begonnen, mit Diepgen schließen wir den Wahlkampf ab", sagt CDU-Landesgeschäftsführer Matthias Wambach. "Nicht wie 1989. . ."

An 1989 erinnert sich die CDU nicht gern. Damals war Diepgen immerhin schon sechs Jahre Regierungschef in Berlin. "Ihn braucht Berlin", plakatierte die CDU den Spitzenkandidaten. "Schwiegermutters Liebling", wurde gespottet, aber am Ende nutzte alles nichts, die Union kam ins Rutschen und klebte unmittelbar vor der Abgeordnetenhauswahl nur noch verzweifelte Aufrufe: "Wählen gehen!" Aber die Stimmung in der Stadt war mies, und die CDU-Anhänger blieben zu Hause. Ein verunglückter Wahlkampf. So einer, wie die SPD ihn jetzt führe, meint Wambach. Momper geklebt, übergeklebt, dann nur noch die Ankündigung: "Wir kämpfen". Nichts als Autosuggestion. Das richte sich schon nicht mehr an die Wähler.

Wer wild entschlossen sein sollte, die fast 1000 Diepgen-Plakate zu ignorieren, wird in den nächsten Tagen mit einer achtseitigen Bilderzeitung konfrontiert. "Der Berliner - Das Magazin für die Hauptstadt", im Vier-Farbdruck, Auflage 750 000. Deren Inhalt: Diepgen. Diepgen mit dem spanischen Königspaar, Diepgen und Familie. Diepgen mit den jungen CDU-Abgeordneten. Diepgen mit den weiblichen CDU-Abgeordneten. Diepgen, wie er freudig entschlossen die Fäuste ballt. Diepgen: Der Landesvater? Ja, heißt es in der CDU-Wahlkampfcrew. Nicht autoritär oder paternalistisch, sondern harmonisierend und moderierend. Eben berlingemäß, modern und Vertrauen weckend.

Das ist die einzig wahlbestimmende Botschaft, und deshalb genügte es, in der acht-seitigen Broschüre den Schriftzug "CDU, 100 % Berlin", auf der achten Seite ganz unten rechts in Briefmarken-Größe zu platzieren. Das Markenzeichen Diepgen steht für die Berliner Union. Diese Linie halten die Wahlkampf-Manager durch, seitdem das "Diepgen rennt"-Plakat im Frühsommer Furore machte. Auch ein anderer CDU-Mann hält an seiner - ganz persönlichen - Wahlkampfstrategie eisern fest: Der bibelfeste Wilmersdorfer Spitzenkandidat Ekkehard Wruck, der erst "Die Wurzel trägt Dich" und seit Neuestem "Oh Land, höre das Wort des Herrn" plakatierte. Die CDU-Landesspitze hat den Abwehrkampf gegen so viel Eigensinnigkeit aufgegeben: "Kein Kommentar".

Ignorieren möchte man am liebsten auch den Versuch der FDP, der Union Zweitstimmen aus dem bürgerlichen Lager abzuknüpfen, um die Rückkehr ins Abgeordnetenhaus zu schaffen. Um dieser Kampagne das Wasser abzugraben, ließ CDU-Fraktionschef Landowsky - der sonst wenig zimperlich mit der FDP umgeht - Anzeigen schalten mit einem freundlichen "Wort an die liberalen Wähler, unsere Stadt hat Ihnen viel zu verdanken". Verbunden mit der Bitte, "diesmal" die CDU zu unterstützen.

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