• Die City liegt brach: 800 Grundstücke warten auf Investoren 200 Hektar in der Innenstadt könnten sofort bebaut werden

Berlin : Die City liegt brach: 800 Grundstücke warten auf Investoren 200 Hektar in der Innenstadt könnten sofort bebaut werden

Bezirk Mitte lockt Sportler und Künstler als Zwischennutzer

Katja Füchsel

Für die einen macht es Berlins Charme aus, die anderen stören sich am Gefühl der Leere, des Unfertigen, das diese Stadt vermittelt. Spaziergänger stoßen in der City an fast jeder Ecke auf eine Brache, eine verwaiste Fabrik, ein leer stehendes Bürogebäude. Allein in der Innenstadt liegen über 800 Grundstücke, die sofort bebaut werden könnten, auf rund 200 Hektar brach – was in etwa der Größe des Tiergartens oder der Innenstadt von Augsburg entspricht. Petra Reetz, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, sieht darin auch eine Chance. „Wir können jedem Investoren sagen: Kommt, es ist alles da, Grundstücke, Büros und Wohnungen! Das ist europaweit etwas Besonderes.“

Nur lassen die Käufer auf sich warten – und das, obwohl die Grundstückspreise vor Jahren in den Keller gefallen sind. Mitte ist vom Leerstand besonders betroffen: 316 Grundstücke liegen hier auf 1,3 Millionen Quadratmetern brach. Im Rathaus sucht man jetzt nach neuen Lösungen, da es keinen Sinn mache, immer neue Flächen auf den übersättigten Markt zu werfen. „Wir müssen über Zwischennutzungen nachdenken“, sagt Steffen Klette vom Stadtplanungsamt.

Möglich sei es, Spielplätze anzulegen. Oder die Brachen – wie auf dem Geländen des ehemaligen Stadions der Weltjugend, wo der Bundesnachrichtendienst hinziehen soll – Sportlern zur Verfügung zu stellen. Als Vorbild könnte laut Klette auch die „Wagenburg Schwarzer Kanal“ dienen. Das Wohn- und Kulturprojekt ist vor zwölf Jahren an der Schillingbrücke eingerichtet worden. Die Bewohner leben hier in Bau- und Zirkuswagen, auf einer zentralen Bühne finden regelmäßig Varietés, Theater- und Kinovorstellungen sowie Konzerte statt. Die Anregungen für eine neue Nutzung müssten allerdings von außerhalb kommen, sagt Klette. „Die öffentliche Hand ist für so etwas zu verknöchert.“ Eine Anlaufstelle für Interessenten gibt es noch nicht.

Andere Brachen an prominenter Stelle werden der Stadt auf unabsehbare Zeit erhalten bleiben. So gibt es in Mitte diverse Grundstücke – wie beispielsweise in der Zimmer- und Wilhelmstraße –, die der Bund als Reservefläche für eventuell nachziehende Ministerien freihält. Hinzu kommen berlinweit rund 1600 Grundstücke, bei denen die Eigentumsfrage noch nicht geklärt ist. Prominentestes Beispiel: das Wertheim-Gelände am Leipziger Platz. Wie viele dieser Grundstücke insgesamt brach liegen, kann niemand sagen. „Dazu gibt es keine Statistik“, sagt Reetz.

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