Berlin : Die City-West läuft zu neuer Form auf

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Von Christian van Lessen

Der neue Alex mit seinen Hochhäusern steht noch auf dem Papier, in der City-West aber wird die Aufbruchstimmung immer sichtbarer. Wegen der vielen Bauzäune erleben Passanten den sommerlichen Bummel zwar zunehmend als Hindernislauf, aber auch als spannende Möglichkeit, hinter den Absperrungen die Aktivitäten zu beobachten. Die westliche City steht nach den fünfziger Jahren vor ihrem zweiten Bau-Frühling. In zwei bis drei Jahren dürfte sich das Bild rund um Bahnhof Zoo, Breitscheid- und Hardenbergplatz dramatisch gewandelt haben. Zunächst soll sich der Breitscheidplatz verändern.

Mit dem Abriss des alten C & A an der Joachimstaler- Ecke Augsburger Straße (Nr. 5) ist begonnen worden, für einen Neubau sind sogar schon erste Fundamente gesetzt. Die Firma Grothe, die das neue Kudamm-Eck baute, errichtet hier ein Fünf-Sterne-Haus für die französische Hotelgruppe Concorde. Damit kündigt sich eine weitere große Baugrube an. Mehrere Projekte stehen vorm Start. „Wenn unser Gebäude auch schon abgerissen wäre, hätten wir hier zwei große Baugruben, und die Hälfte des Platzes wäre tot“, sagt der Tabakverkäufer im Schimmelpfenghaus, das eigentlich nicht mehr stehen dürfte, wenn alles nach Plan gegangen wäre. Schon jetzt hält die benachbarte große Baugrube für das „Zoofenster“-Hochhaus (Nr.2) viele Kunden vom Einkaufen in näherer Umgebung ab. Aber im großen Loch zwischen Hardenberg-, Kant- und Joachimstaler Straße, wo früher unter anderem das Kibek-Haus stand, wird wirklich nach langen Jahren der Brache gearbeitet. Die Stadtentwicklungsverwaltung erwartet, dass sich in den nächsten zwei, drei Jahren viel am Breitscheidplatz und seiner näheren Umgebung tun wird.

Sie selbst hat zwar ihr umstrittenes Beleuchtungskonzept für den Platz wegen knapper Kassen versenkt, kündigt nun aber für rund 1,25 Millionen Euro ein „Minimalprogramm mit maximaler Wirkung“ an. Dazu gehören die von Grundstücksanrainern geforderte Schließung des Straßentunnels Budapester Straße. Er soll nun nicht mehr, wie noch vor Jahren geplant, zugeschüttet, sondern mit einem Betondeckel versehen werden, auf dem Autos fahren können. Damit will man die „Sichtbarriere“ auf dem Platz beseitigen. Die Büsche am Tunnelrand verschwinden, es wird neue Bänke geben und eine möglichst einfache Grünfläche.

Details möchte die Senatsbehörde mit den Architekten Heike Langenbach und Roman Invancsics, die den Wettbewerb zur Neugestaltung des Platzes 2000 gewonnen hatten, erörtern. Und mit den Anliegern, die sich an Kosten beteiligen sollen. Auch mit dem Bezirksamt muss noch gesprochen werden. Differenzen gibt es mit dem Bezirk beispielsweise beim 38-stöckigen „Zoofenster“-Projekt, das die Firmengruppe Ebertz vom Konzern Brau und Brunnen nach Entwürfen des Architekten Christoph Mäckler übernommen hat. Obwohl der Bau an den Fundamenten schon begonnen hat, ist die künftige Nutzung noch umstritten. Geplant ist nach Angaben von Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler, dass der Neubau zu 100 Prozent ein Hotel (Hilton) werden soll, entsprechende Zusagen der Senatsverwaltung aber seien mit dem Bezirk nicht abgestimmt. Er vertraue noch immer darauf, dass nach dem Bebauungsplan in den oberen Etagen hochwertiges Wohnen möglich sei. Hilmar von Lojewski, Abteilungsleiter Städtebau und Projekte bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, erwartet, dass der Bezirk die veränderte Planung, die noch beantragt werden muss, genehmigt.

Am Streit über den Wohnanteil dürfe das Projekt nicht scheitern. Optimistisch werden auch die Chancen für den Hochhauskomplex ns Focus und Atlas (Nr. 3) auf dem benachbarten Schimmpelpfeng-Grundstück bewertet. Die Planungen des Architekten Christoph Langhof gehen bereits ins achte Jahr. Die ITAG, die bauen wollte, hielt noch im letzten Jahr eine Grundsteinlegung Ende 2002 für möglich. Inzwischen aber wurde die Immobilie, wie berichtet, von der Firma Casia erworben, die zur Rheinischen Hyp, einer Tochter der Commerzbank, gehört. Bernd Schmidt, der Geschäftsführer, versicherte, dass der Turm bis 2005 steht, die Entwurfsplanung aber überarbeitet wird, „um sich zu rechnen“. Im Frühjahr 2003 könne man vermutlich die Baugenehmigung beantragen, im folgenden Spätsommer mit dem Bau beginnen.

Die Unternehmensgruppe Grothe, die ihr Hotelbauprojekt an der Joachimstaler Straße startete, hat für den Entwurf das Büro Kleihues beauftragt. Ebenfalls an der Joachimstaler Straße – Ecke Kantstraße – entsteht zwischen künftigem Zoofenster und Atlas das mit viel Glas versehene City Light House (Nr. 4) der Investoren OFB und Hühne. Den Entwurf für das Geschäftshaus lieferte das Büro Collignon Fischötter. Bereits Ende nächsten Jahres soll das Bauwerk fertig sein. Auch die Firma Parking-Partner will noch in diesem Jahr auf dem Parkplatz neben dem Theater des Westens ein Geschäftsgebäude mit Hotel und Parkhaus errichten. Die Pläne stammen vom Architekturbüro Tonon, nachdem zuvor Steffen Lehmann Entwürfe vorgelegt hatte und das Projekt öffentlich vorgestellt worden war. Der Bauherr entschied sich für Neues, nun wird die Passage zwischen der Bahn und dem Neubau breiter, was auch im Bezirk mehr Wohlwollen auslöst. An Fassadendetails des neuen Entwurfs wird noch gearbeitet. Die neuen Parkmöglichkeiten, die er bietet, sollen langfristig auch den Hardenbergplatz entlasten; die Bahn wolle den Park-Verkehr auf dem Platz „entflechten“ und nur für Taxifahrer und wirkliche Bahnkunden Stellflächen bereitstellen. Die Jebensstraße könnte dann als Parkfläche für City-Besucher privatisiert werden, der Neubau am Theater des Westens die restlichen Autos aufnehmen.

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