Berlin : Die City West wird grüner

Die politischen Kräfteverhältnisse in der westlichen City bleiben leicht überschaubar - wenn auch mit verändertem Vorzeichen. Statt der absoluten CDU-Mehrheit gibt es nun eine klare rot-grüne Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung. In der Sitzung am Donnerstagabend wurde erwartungsgemäß Monika Thiemen (SPD) zur Bürgermeisterin gewählt. Mit 45 Ja- und 10 Nein-Stimmen erzielte sie das beste Ergebnis der neuen Bezirksamtsmitglieder.

Überraschend wenig Unterstützung fand der neue FDP-Wirtschaftsstadtrat Bernhard Skrodzki: Von den 55 Verordneten votierten in der geheimen Wahl nur 26 für ihn; es gab 13 Nein-Stimmen und 16 Enthaltungen. Skrodzki fehlten damit zwei Stimmen zur absoluten Mehrheit; doch weil es nur auf das Verhältnis zwischen Ja- und Nein-Stimmen ankam, reichte das Ergebnis für seine Wahl. SPD-Verordnete rechneten die Gegenstimmen vor allem der CDU zu, während diese die SPD verantwortlich machte. Die Hintergründe blieben unklar, denn niemand äußerte Kritik an Skrodzki.

Zuvor war eher vermutet worden, dass die SPD-Kandidaten wenige Stimmen von der CDU erhalten dürften. Schließlich hatten sich die Christdemokraten über die Ressortverteilung beschwert. "Bei den letzten Bezirksamtswahlen sind wir viel fairer mit der SPD umgegangen", meinte der frühere CDU-Bürgermeister Andreas Statzkowski, der nun Fraktionschef in der BVV ist. Er wollte als Stadtrat amtieren und möglichst seine bisherigen Zusatz-Ressorts (Bildung, Kultur, Sport) behalten. Doch diese Bereiche beanspruchte die SPD für sich. Dass Statzkowski nicht mehr kandidierte, lag aber auch an der Affäre um dubiose Kita-Reinigungsaufträge. SPD und Grüne hatten deutlich gemacht, dass sie gegen Statzkowski stimmen würden. Nun soll ein Sonderausschuss die Kita-Reinigungen untersuchen. Ein entsprechender SPD-Antrag, den die Grünen unterstützen wollen, wurde allerdings auf die nächste Sitzung vertagt.

Die Spitzen des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf

Von der stellvertretenden Bürgermeisterin und Finanzstadträtin steigt Monika Thiemen (47) jetzt zur Rathaus-Chefin auf. Die SPD-Politikerin behält das Finanzressort und wird außerdem verantwortlich für Bildung und Kultur. Dafür gibt sie die Zuständigkeit für Wohnen und Liegenschaften ab. Die neue rot-grüne Mehrheit hatte Monika Thiemen bereits im Wahlkampf als Nachfolgerin des bisherigen CDU-Bürgermeisters Andreas Statzkowski beworben - an ihrer Wahl durch die BVV bestand deshalb kein Zweifel.

Vize-Bürgermeister und Baustadtrat wird Klaus-Dieter Gröhler (35). Bisher hatte er als christdemokratischer Stadtrat für Wirtschaft, Personal und Verwaltung amtiert. In der ehemaligen BVV Charlottenburg war Gröhler Vorsitzender der CDU-Fraktion und des Bauausschusses. Außerdem arbeitete er früher in der Senatsverwaltung für Bauen, Stadtentwicklung und Verkehr.

Der SPD-Stadtrat für Jugend und Familie, Reinhard Naumann (41), leitet beide Ressorts weiter. Darüber hinaus wird er auch für Sport und den Schulbereich zuständig. Der Jurist war früher in der Senatssozialverwaltung tätig und leitete von 1995 bis 2000 die Charlottenburger Fraktion der SPD.

Die grüne Sozial- und Gesundheitsstadträtin Martina Schmiedhofer (45) übernimmt zusätzlich das Umwelt- und das Verkehrsressort. Die Diplom-Soziologin stammt aus Reinickendorf, lebte er aber von 1961 bis 1996 in Frankfurt am Main. Im dortigen Stadtparlament, dem Frankfurter Römer, war sie drei Jahre lang Fraktionsvorsitzende der Grünen.

Zwei Stadträte sind neu im sechsköpfigen Bezirksamt. Der langjährige Wilmersdorfer CDU-Bezirksverordnete und Schullehrer Joachim Krüger (52) bekommt die Ressorts Bürgerdienste, Wohnen und Personal. Für die FDP, deren neuer Stadtratsposten zu Lasten der CDU geht, führt Bernhard Skrodzki (54) die Ressorts Wirtschaft, Liegenschaften, Organisation und Bibliotheken. Der Jurist arbeitet seit mehr als 20 Jahren für Industrie- und Handelskammern im In- und Ausland. Zuletzt leitete er den Bereich Berufliche Weiterbildung bei der IHK Berlin. Doch auch in der Bezirkspolitik hat Skrodzki schon Erfahrungen gemacht. Von 1992 bis 1995 gehörte er der BVV Charlottenburg an und leitete deren Stadtplanungsausschuss.

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