Berlin : Die da oben

Budapest, km 1838: Die Deutsche Schule liegt im Villenviertel. Hier lernt Ungarns Elite

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Von der Donau in den Budapester Westen geht es erst sachte bergauf, dann immer steiler. Irgendwann schafft das Auto die Steigung im zweiten Gang kaum noch, aber das stört die wenigsten Anlieger. Sie fahren Limousinen und Jeeps mit Automatikgetriebe. In diesem atypischen Villenviertel Budapests befindet sich die Deutsche Schule. Wie ein Kurhotel liegt der Flachbau am Hang mit Blick über die Zweimillionenstadt. 400 Schüler lernen hier: teils Ungarn, teils Kinder deutscher Diplomaten und Manager.

Im Politikunterricht studieren einige Acht bis Zehntklässler gerade die Brüsseler Bürokratie ein, um sich fit zu machen für den anstehenden EU-Wettbewerb. „Model European Parlament“ heißt das Projekt, bei dem die Schüler zwei Tage lang in Ausschüssen an Resolutionsentwürfen feilen werden, um sie dann durchs Straßburger Parlament zu boxen. Wenn sie im ungarischen Landeswettbewerb gut abschneiden, dürfen sie zur nächsten Runde nach Warschau reisen. Sie werden die deutsche Position vertreten, die sie aus dem Internet und von der Botschaft kennen. Im Wissenschaftsausschuss wollen sie also ein weltweites Klonverbot und in der Wirtschaft den Umstieg von Atomkraft auf Gas und Biomasse durchsetzen. Klingt gut – aber was ist, wenn EU-Neuling Slowenien sein marodes Atomkraftwerk mangels Alternativen nicht stilllegen mag? „Dann müssen wir sie überreden“, sagt einer. Und wenn reden allein nicht hilft? „Dann werden wir wohl ein Förderprogramm auflegen müssen“, sagt sein Nachbar.

Schulleiter Uwe Christiansen hatte zuvor berichtet, seine Schüler seien von dem EU-Projekt begeistert. Frage an die 15-Jährigen: Stimmt das? Erst zögern sie, dann sagt einer: „Na ja, es gibt drei Sorten: Streber, Schwänzer und ehrlich Interessierte.“ In diesem Moment sind sie ganz normale Schüler und nicht mehr die Elite, die mit Ehrgeiz und Ellenbogen aufwärts strebt. Benedek ist waschechter Ungar und ein bisschen tapsig, aber er blickt durch. Ihn sorgt das Schicksal der heimischen Bauern, wenn Lidl & Co. kommen und die Milch für 50 Cent mitbringen. Die anderen nennen Benedek den „Landwirtschaftsminister“ und fallen ihm gern ins Wort.

„Verhaltensprobleme haben wir eigentlich nicht“, hat der Schulleiter gesagt. Und hinzugefügt, „dass wir schon auf das eine oder andere achten müssen“, damit an der Deutschen Schule keine eiskalten Schnösel heranwachsen. Deshalb ist nach dem EU-Projekt wieder Kuchen backen für Obdachlose angesagt. Auch verteilen müssen ihn die Schüler selbst.

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