Berlin : Die Debatte um den Schlossplatz: Das Schloss kann den Stadtkern zusammennähen

Raud E. Johnson[New Canaan (USA)]

Jede Hauptstadt Europas hat ihre wichtigen Paläste. Jede Hauptstadt versucht, ihre architektonischen Denkmäler zu behalten und zu behüten. Warum sollte nur Berlin dasselbe versäumen?

Die Vernichtung des Schlosses von Walter Ulbricht war eine Schande und eine kulturelle Gräueltat fast ohne Gleichen in Deutschland. Eine Entscheidung, das Schloss nicht wieder aufzubauen, wäre eine zweite! Das Schloss war letzten Endes das Herz der Stadt, der Kern, aus welchem die Stadt sich entwickelt hat. Die wichtigsten Straßen führen immer noch zu dem leeren Platz, wo einst das Schloss empor ragte. Sollten wir jetzt diesen Straßen folgen, nur um schon wieder einer unschönen Shopping-Mall oder irgendeinem anderen modernen Ungetüm zu begegnen? Der so genannte Palast der Republik zeigt uns schon, wie hässlich ein unpassendes Gebäude auf diesem Platz wirken kann.

Berlin ist wieder Hauptstadt geworden. Dazu gehören nicht nur neue Regierungsgebäude, sondern auch die Wiederherstellung der großen kulturellen Beziehungen mit der Vergangenheit und der Geschichte.

Ich weiß, dass es einige ehrliche Leute gibt, die das Schloss als unerwünschtes Symbol der Monarchie empfinden. Trotzdem bin ich überhaupt nicht damit einverstanden. Abgesehen davon, dass die Hohenzollern ein unentbehrlicher Teil deutscher und besonders Berliner Geschichte waren und bleiben werden, und nicht nur Schlechtes, sondern auch Gutes getan haben, will keiner den Kaiser zurückhaben. Das ist klar. Und der Wiederaufbau des Schlosses wird ihn nie zurückbringen. Wir sprechen hier also nicht von einer veralteten Sehnsucht nach dem Kaisertum, sondern, im Gegenteil, von einem großartigen architektonischen Meisterwerk, das einen ganze Stadtkern zusammennähen kann, und das die Stadt mit seiner Vergangenheit wieder verbinden kann.

0 Kommentare

Neuester Kommentar