Berlin : Die Demo-Platte

Jungbands aus dem Marzahner Orwo-Haus protestieren laut gegen Vertreibung

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Fünf vor zwölf kommen die Matratze, die zwei Sofas und der rote Teppich. Dann die Instrumente: Megafon mit Sirene, Gitarren, dazu Bongos, Triangeln, Instrumentenkoffer und so allerlei andere Schlaginstrumente. Punkt zwölf folgt die Musik: „TL-G, tut uns nicht weh“, singt ein junger Mann mit millimeterkurz geschorenen Haaren. Das Getrommel ist so laut, das man ihn kaum versteht. Damit nicht gleich auch noch die Polizei zur Holzmarktstraße Nummer 15 kommt, löst sich die Gruppe exakt eine halbe Stunde später wieder auf. „Los, wir gehen“, ruft André Szatkowski, sonst Schlagzeuger, gestern Einheizer, ins Megafon. So geht eine samtene Revolution.

Der Grund für die gestrige Einlage: Proberäume. Die Gruppe, die Teile ihrer Ausrüstung vor dem Gebäude der Treuhandgesellschaft TLG Immobilien aufbaute – das sind 30 Musiker. 30 von 400, die in dem siebenstöckigen Marzahner Plattenbau üben. Das Orwo-Haus ist Berlins größte Ansammlung von Proberäumen, die Pop-Sängerin Jeanette Biedermann hat sich dort auf ihre letzte Tour vorbereitet. Und dieses Haus sollen die Bands jetzt verlassen, so will es die Eigentümerin, die Immobiliengesellschaft TLG. Sie hat den 80 Bands ihre Mietverträge gekündigt. Der Auslöser war, dass bei einer Brandschutzuntersuchung Mängel an dem Gebäude festgestellt worden waren (der Tagesspiegel berichtete). Dass dies auch der Grund ist, warum sie ausziehen sollen, bezweifeln die Musiker. „Die TLG will das Haus verkaufen. Die Frage ist, wer dafür viel bezahlen soll“, sagt Andreas Otto, der Sprecher der Bands. „Wir geben nicht auf.“

Bleibt die Frage, was das Gratiskonzert bewirkt hat. Von der TLG erschienen nur zwei Herren an der Tür, die sagten, sie könnten nichts entscheiden. TLG-Sprecherin Sabine Pentrop sagte dem Tagesspiegel: „Wir bleiben bei unserer Haltung: Wir wollen verkaufen.“ Eine „harte Linie“ sagen das Bezirksamt Hellersdorf-Marzahn und die Senatsverwaltungen für Kultur und Wirtschaft dazu. Alle haben Hilfe zugesagt. Wie die aussehen kann, wollen die Politiker am 24. August am runden Tisch beraten. mne

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