• Die demoskopischen Werte rutschen unter das Wahlergebnis von 1995, dennoch demonstriert Strieder Zuversicht

Berlin : Die demoskopischen Werte rutschen unter das Wahlergebnis von 1995, dennoch demonstriert Strieder Zuversicht

Brigitte Grunert

Aber der Parteichef erwartet, dass es aufwärts geht und setzt auf "30 Prozent und mehr" am Wahltag. Klaus Böger sagte es schon am Vortag so: "Die SPD ist besser als nach Umfragen." Demonstrativer Optimismus der Führung als Motivierungspille fürs eigene Parteivolk?

Pünktlich zum Kanzler-Einzug ins Staatsratsgebäude und sieben Wochen vor der Wahl werden die ersten der 1000 Großplakate geklebt. Walter Mompers Wirtschaftskompetenz wird herausgestellt. Der Spitzenkandidat mit Leuten aus der Arbeitswelt unter der Überschrift: "Um Arbeit muss sich der Chef kümmern." Drei aufgeweckte Kinder am Computer strahlen für moderne Bildungspolitik: "Mehr Mäuse für die Schule", heißt es doppelsinnig. Schließlich die soziale Komponente und Berlin-Identität. Feierabend auf der Kiez-Wiese, im Hintergrund Hochhäuser: "Ihre Plätze sind uns genauso wichtig wie der Potsdamer Platz."

Der offizielle Arbeitsbeginn des SPD-Bundesvorstandes im Willy-Brandt-Haus ist am 27. August zugleich der Auftakt für die heiße Wahlkampfschlacht. Bei einer Kundgebung vor und rund um das Gebäude werden Gerhard Schröder und Walter Momper reden. Die Berliner Genossen setzen bis zum 10. Oktober auf Unterstützung der geballten Kraft ihrer Bundesprominenz. In der Hauptstadt soll sich der Bundestrend wenden. Gemeinsame Vertrauenswerbung für den Reformkurs der Bundesregierung und der Berliner SPD ist angesagt, um Verunsicherte und Unentschiedene zu überzeugen. Das will die CDU auch. Am 28. August startet sie mit Wolfgang Schäuble auf dem Wittenbergplatz eine Kampagne zur Renten- und Gesundheitsreform, ihr Signal zum Wahlkampf-Endspurt. Und die Großplakate stellt Eberhard Diepgen als Parteichef heute vor.

Für die SPD trifft es sich gut, dass Mitte September Rut Brandt die Stadt besucht, in der sie in bester Erinnerung ist als Frau von Willy Brandt. Der Zusammenhang mit dem SPD-Wahlkampf ist sehr indirekt. Sie liest aus ihren Memoiren. Aber Momper ist natürlich dabei und "viel Prominenz".

Die SPD hat sich, so Strieder, als "treibende Kraft für die Zukunftsgestaltung" in der Großen Koalition und der Stadt erwiesen. Also bei aller Distanz zur CDU "Absetzbewegung" von der Arbeit des CDU/SPD-Senats: "Wir überlassen doch die Erfolge nicht der CDU." Nur dass Berlin die rote Laterne bei der Wirtschaftsentwicklung hat, lastet sie der CDU und Diepgen persönlich an. Momper soll es richten. Strieder: "Wirtschaftskreise sagen doch, macht endlich, so kann es nicht weiter gehen. Die Cliquenmentalität von Diepgen und Landowsky kann nicht das gesellschaftliche Parkett Berlins sein." Er erinnert noch rasch an das SPD-Wahlziel der "Reformkoalition". Er sagt nicht ausdrücklich Rot-Grün. Ist auch schwer erreichbar.

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