Die Durschnittstemperaturen steigen : Berlin wird immer wärmer

Schon 2050 wird es wohl durchschnittlich 2,5 Grad wärmer sein als jetzt. Der Senat will die Stadt abkühlen – auch mit Regenwasser.

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Eisbär Wolodja knabbert im Tierpark an einer Eisbombe.
Eisbär Wolodja knabbert im Tierpark an einer Eisbombe.Foto: promo

In den kommenden Tagen bleibt es deutlich wärmer als dreißig Grad in Berlin – bis auf Sonntag. In wenigen Jahrzehnten dürfte es aber nach aller Voraussicht noch wesentlich heißer in der Stadt werden. So rechnet die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung damit, dass es infolge des Klimawandels schon im Jahr 2050 übers Jahr betrachtet durchschnittlich 2,5 Grad wärmer sein wird. Damit wird es an Sommertagen künftig wohl häufiger heißer als 40 Grad im Schatten – eine große Herausforderung für die Stadt, in der dann noch mehr Senioren und pflegebedürftige Menschen leben werden. Daher arbeitet der Senat an Konzepten, wie man die Stadt mit städtebaulichen Maßnahmen herunterkühlen kann.

„Das ist eine Daueraufgabe, die uns die nächsten Jahrzehnte begleiten wird“, sagte Beate Profé, Leiterin der Abteilung Stadt- und Freiraumplanung bei der Umweltverwaltung, am Freitag.

Zum „Stadtentwicklungsplan Klima“ gehöre beispielsweise zu prüfen, wie man Regenwasser auffangen könne, damit es verdunsten und Kühle spenden kann. Dies sei etwa in Adlershof der Fall, da versickere das Nass in Mulden neben den Straßen langsam, statt rasch in der Kanalisation zu verschwinden. Zudem gebe es ein Projekt über die EU-Regionalförderung, das herausfinden soll, wie bestehende Grünflächen noch besser kühlen können. Die Bezirke würden etwa gebeten, zu sprengen, denn nur grünsaftiger Rasen kann Feuchtigkeit verdunsten, verdorrte Halme nicht.

Zu viel Grün sei aber manchmal auch nicht gut, sagt Beate Profé, denn es brauche Frischluftschneisen, durch die kühle Luft wehen kann. Auch das Tempelhofer Feld sei fürs Stadtklima sehr wichtig, denn es gebe nachts mehr Kühle ab als etwa Wälder. Bei Neubauvorhaben wie später auf dem Flughafen Tegel solle möglichst darauf geachtet werden, dass möglichst helle Farben Sonnenlicht reflektieren. Auch Schattenwurf, Ausrichtung und gute Durchlüftung der Häuser müssten Bauherren künftig im Blick behalten – und zwar ohne CO2 erzeugende Klimaanlagen. Für Mieter kann wegen kostenintensiverer Baumaßnahmen auch das Wohnen künftig teils teurer werden.

Privatleute sollten laut Profé prüfen, ob sie das Dach begrünen können, denn das bringt Sauerstoff und Kühle. Der Deutsche Wetterdienst (DWD), der schon vor Jahren den Senat beriet, hatte empfohlen, auch an überdachte Fußgängerzonen zu denken. Künftig müssten sich laut DWD auch die Rettungskräfte und die Pflegeeinrichtungen auf Hitzeperioden einstellen, in denen plötzlich mehr Menschen zu versorgen seien.

Im Zuge der durch den Energieverbrauch der Menschen verursachten Erderwärmung müsse man sich laut Experten auch darauf einstellen, dass es mehr Wetterextreme gibt. Dazu gehören neben Sturm, Hagel, Starkregen und mehr heißen Tagen auch mal Ausreißertage nach unten. Wie berichtet, hatten zuletzt die Weltbank, der Weltklimarat und auch Versicherungen vor den Folgen für alle Lebewesen gewarnt, die es gibt, wenn die Erwärmung bis 2050 um mehr als zwei Grad voranschreite – wonach es im Moment aber aussieht.

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