Berlin : Die Ehrenbürgerin und ihr Enkel

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Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, intonierten Musiker des Friedrichstadtpalastes gestern den Dietrich-Song im Roten Rathaus. Der Star selbst war auch zu sehen – von einer riesigen Leinwand blickte Marlene Dietrich in den Wappensaal. Ob sie sich gefreut hätte, zu ihrem zehnten Todestag Ehrenbürgerin der Stadt zu werden, in der sie vor 101 Jahren geboren wurde und mit der sie Zeit ihres Lebens eine Art Hassliebe verband? Die Frage beantwortete gestern ihr Enkel Peter Riva (Foto), der für seine erkrankte Mutter Maria Riva gekommen war. Der hünenhafte 52-Jährige dankte für die Ernennung, deren Urkunde ihm Walter Momper als Präsident des Abgeordnetenhauses aushändigte. „Ich bin sicher, sie sieht von oben herab und freut sich“, sagte Riva und erinnerte sich, wie ihn zum Mauerfall seine Großmutter bis zu drei Mal täglich aus Paris in Amerika anrief. Damals habe sie erstmals wieder von „meinem Berlin“ gesprochen. Das komplizierte Verhältnis zwischen Berlin und dem Weltstar klammerte auch der Regierende Bürgermeister in seiner Laudatio nicht aus. „Wir ehren Marlene Dietrich, völlig zu Recht und verdientermaßen“, sagte Klaus Wowereit und fand es beschämend, wie man den Star 1960 als Vaterlandsverräterin beschimpft habe. Dabei habe die Dietrich in ihrem Leben immer nur „den Mut einer wahrhaft freien Frau“ gezeigt. Die besten Seiten Berlins habe sie verkörpert und ihr Freund Ernest Hemingway genau das an ihr geliebt, was auch ihre Geburtsstadt auszeichne – scharfen, trocknen Witz, gemischt mit Galgenhumor. Eine Kostprobe davon gab „Marlene“ gestern aus dem gleichnamigen Film. „Bei uns“ sagt sie darin und meint Berlin. Und bei uns wollte sie auch ihre letzte Ruhe finden. Gestern fand sie endlich ihre lang verdiente Ehrung.hema / Foto:dpa

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