Berlin : Die Eichenprozessionsspinner heben ab – die Verunsicherung bleibt

Die Verpuppung beginnt, aus Raupen werden Schmetterlinge. Die Nester müssen beseitigt werden. Und die Klagen nehmen zu.

dapd/Luise Poschmann
Befallene B 96. Die Raupen kleben nicht nur in Bäumen. Foto: dapd
Befallene B 96. Die Raupen kleben nicht nur in Bäumen. Foto: dapdFoto: dapd

Gransee/Potsdam - Bereits jetzt im Frühsommer sieht die Allee an der Bundesstraße 96 nahe Margaretenhof bei Gransee (Oberhavel) aus wie im Spätherbst. Viele Blätter von rund 400 Bäumen sind an- und abgefressen. Das liegt an den Eichenprozessionsspinner-Raupen. Durch die Luft fliegen ihre giftigen Haare. Die Tiere selbst haben sich auf die Leitplanken oder in ihre Nester zurückgezogen. Denn jetzt beginnt ihre Verpuppung. In wenigen Wochen werden sie zu unscheinbaren Schmetterlingen werden. Doch die Verunsicherung bleibt.

„Wir informieren die Bürger über die Gefahr, auch jetzt noch“, sagt Sebastian Honl von der Bauabteilung der Amtsverwaltung Gransee. „Sie sollen möglichst langärmelige Kleidung tragen und die Sachen gleich waschen.“ Die giftigen Haare der Raupen können bei Menschen zu allergischen Reaktionen, Hautreizungen und Bindehautentzündungen führen. Überall im Land stehen Warnhinweise.

Viel mehr könne die Kommune aber nicht tun, sagt Honl. „Alle Alleen frei zu halten, können wir gar nicht finanzieren.“ Und wer genau da zuständig wäre, wisse er ohnehin nicht. Für die Kommune würde es eine unlösbare Aufgabe darstellen. „Vielleicht müssten die Firmen die Beseitigung etwas günstiger anbieten.“ 2000 Euro für das Absaugen von Nestern pro Baum seien immens.

Allein Potsdam hat 20 000 Eichen auf ihren Flächen. Die Belastung durch die Raupen sei „schätzungsweise doppelt so hoch wie im Vorjahr“, schätzt ein Stadtsprecher. Deshalb würden sich die Schädlingsbekämpfer meist auf Kita- und Schulhöfe konzentrieren. Doch „die Flut der Neumeldungen reißt nicht ab“.

Bewohner einiger Gemeinden im Landkreis Ostprignitz-Ruppin haben sogar eine Bürgerinitiative gegründet. „Wir haben es satt!“, schreiben die Initiatoren in einem offenen Brief an die Landesregierung. Das Leben in und mit der Natur sei stark eingeschränkt. Deshalb forderten sie eine „flächendeckende und nachhaltige Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners“.

Der Landesbetrieb Forst bemüht sich um Aufklärung. Im Internet gibt es Informationen über die Raupen und ihre Beseitigung. Der Landesbetrieb selbst hat präventiv gearbeitet: „Wir haben schon im Frühling ein Bakterien-Präparat mit dem Hubschrauber auf die Bäume gesprüht“, erklärt Katrin Möller, die im Landesbetrieb die Hauptstelle Waldschutz leitet. Dies sei auch sehr erfolgreich gewesen. Eine Lösung für die Städte und Landstraßen sei das Mittel allerdings nicht – es müsse ein großer Abstand zu bewohnten Gebieten eingehalten werden. Mit der Verpuppung sei die Gefahr aber nicht vollständig vorbei, sagt Möller. „Die Haare bleiben auf den Feldern und in der Luft. Und sie sind weiter giftig – teilweise bis zu acht Jahre lang.“ dapd/Luise Poschmann

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