Berlin : Die eigene Sprache bewahren

Wie türkische Blätter die deutsche Integrationspolitik bewerten

Suzan Gülfirat

Der türkische Botschafter Mehmet Ali Irtemcelik war in Begleitung von Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) erschienen, um in den Kreuzberger Räumen der Türkischen Gemeinde in Deutschland Arbeitsimmigranten der ersten Generation auszuzeichnen. Doch seine Sorge galt weniger den Jobchancen junger Türken als dem drohenden Verlust kultureller Identität im Gastland. „Botschafter M. Ali Irtemcelik übte scharfe Kritik an den Einschneidungen bei der türkischen Sprache und dem muttersprachlichen Unterricht“, vermeldete am Donnerstag die Hürriyet. Über den Besuch berichteten alle türkischen Zeitungen auf ihren Titelseiten. Die Rede des Botschafters stand dabei im Vordergrund. Irtemcelik betonte zwar, sein Land wolle den Integrationsprozess hierzulande unterstützen. Zugleich äußerte er jedoch Bedenken gegen Pläne, Deutschkenntnisse für Zuwanderer in vielen Bereichen verpflichtend zu machen. „Sogar zu Hause soll Deutsch gesprochen werden“, kritisierte er. Die religiöse Türkiye richtete die Worte Irtemceliks als Appell an deutsche Politiker. „Nehmt Abstand von Zwangsmaßnahmen“, titelte die Zeitung. „Die Medien müssen aufhören, ständig die Türken zu beschuldigen, und Deutschland sollte davon Abstand nehmen, den Islam nach eigenen Vorstellungen gestalten zu wollen“, zitierte die Türkiye den Botschafter. Franz Müntefering kam zu Wort: „Beide Seiten tragen die Schuld an den Problemen. Es ist notwendig, dass Jugendliche gut Deutsch können.“

Auch, um die Chancen junger Türken auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Dazu hat die Hürriyet jetzt eine Kampagne gestartet. „Wir finden Ausbildungsplätze für türkische Jugendliche“, kündigt die Zeitung an. Sie stellt Ausbildungsbetriebe vor und nennt wichtige Stellen, die türkischstämmigen Jugendlichen bei Berufswahl und Lehrstellensuche weiterhelfen können. Allerdings hat das Blatt bisher keine Jugendlichen präsentiert, die durch seine Hilfe einen Ausbildungsplatz gefunden haben.

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