Berlin : Die eine Stimme

Stephan-Andreas Casdorff

Da weht einen doch glatt die Geschichte an. Hans Modrow, der fast Vergessene, der fast mit der DDR Versunkene, fordert eine Urabstimmung in der Partei, die dem Sozialismus verhaftet ist. Man stelle sich vor: 99,6 Prozent, mindestens, stimmen für den Koalitionsvertrag mit der SPD in Berlin – ja, das wär’ doch fast … nein, nicht wie früher, sondern das wäre einstimmig! Warum nicht gleich so? Die Linke will doch regieren, und sie soll regieren, wenn es nach der Mehrheit der SPD geht. Nun gibt es, andererseits, noch nicht so viel, über das abzustimmen sich schon lohnte. Insofern ist es doch noch ein Stück des Wegs. Aber gemeinsam werden sie ihn schaffen, hundertprozentig. Wobei es gut wäre, wenn sich jetzt schon alle auf eine Formel einstimmen wollten: Das Sparen nicht erleiden, sondern gestalten. Wer nämlich das Sparen nur erleidet, der hat nachher keinen Spielraum zum Gestalten. Dazu könnte Genosse Modrow auch noch einiges sagen, aus seinen Erfahrungen. Ach ja, Geschichte. Damals, als sie ihn den „Gorbatschow der DDR“ nannten. Heute hat er auch nur eine Stimme.

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