Berlin : Die Erinnerung will nicht verblassen

Am bis 1969 genutzten Kontrollpunkt Dreilinden halten sich die weißen Markierungen auf Asphalt.

Letzte Reste. Vor gut 40 Jahren wurden hier die letzten Autos kontrolliert. Foto: Steyer
Letzte Reste. Vor gut 40 Jahren wurden hier die letzten Autos kontrolliert. Foto: Steyer

Die weiße Schrift liegt fast wie gemeißelt auf dem schwarzen Asphalt. Selbst nach mehr als drei Jahrzehnten halten die Aufschriften „Bus“, „Lkw“ und „Pkw“ die Erinnerung wach. Hier reihten sich bis 1969 Fahrzeuge, um die Grenze zwischen West-Berlin und der DDR zu passieren. Mitten im Wald lag der einstige Kontrollpunkt Dreilinden, der vor 44 Jahren für den neu gebauten und rund drei Kilometer entfernten Grenzübergang an der zur besseren Überwachung verlegten A 15 - der heutigen BAB 115 - aufgegeben wurde.

Nur drei Fahnenstangen auf der ehemaligen Autobahnbrücke über den Teltowkanal verbreiten noch eine gewisse Nostalgie. An ihnen wehten einst die Flaggen der drei West-Alliierten, die auch die Kontrolle der Reisenden auf der wie eine Exklave in den Osten hereinragenden Siedlung „Albrechts Teerofen“ übernahmen. Alle Baracken des „Checkpoint Bravo“ sind abgerissen, ebenso die der DDR-Grenzübergangsstelle Nowawes, später Drewitz.

Heute führt der Berliner Mauerradweg zu dem verlassenen Ort, während hinter der nahen Lärmschutzwand der Verkehr auf sechsspuriger Autobahn am früheren Grenzübergang Dreilinden vorbeirast. Dafür muss aber in Kohlhaasenbrück am Griebnitzsee der Weg auf dem Kremnitzufer nach Albrechts Teerofen eingeschlagen werden. Die kürzere Tour führt auf dem Königsweg direkt zum Stahnsdorfer Damm mit Anschluss zum heutigen Europarc Dreilinden oder zum S-Bahnhof Wannsee in der Gegenrichtung.

Die Ankunft in Dreilinden könnte gruseliger kaum sein. Denn die einstige Raststätte, die vor fast drei Jahren zusammen mit dem Grundstück des früheren Grenzübergangs an einen unbekannt gebliebenen Käufer veräußert worden war, ist eine Brache mit Ruine. Der endgültige Kollaps dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Denkmalschutz für diesen geschichtsträchtigen Platz besteht jedenfalls nicht. Sonst wäre vielleicht auch ein Stück der alten Autobahn, auf der nach der Wende einige Actionfilme entstanden waren, erhalten geblieben.

Das einzig Unverwüstliche an der alten Kontrollstelle bleiben also die weißen Buchstaben auf dem schwarzen Asphalt. Ste.

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