Berlin : Die erste Nacht

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Von Ingo bach

Der Strauß ist eine emanzipierte Gattung Vogel. Nicht etwa deshalb, weil er den Kopf vor der Geschlechterproblematik in den Sand steckt. Im Gegenteil, er stellt sie energisch auf den Kopf, oder auf die Füße, wie Feministinnen meinen. Das Weibchen hat zwar auch im Vogelreich die Last der Geburt zu tragen, den Rest aber teilt es sich mit Männe. Der sitzt meistens nachts auf dem Nest und brütet über den Eiern, während sich seine Gattin in der Savanne herumtreibt. Der Vater ist es auch, der den Nachwuchs auf seinen ersten Trippelschrittchen ins Leben begleitet. Die Küken sind auf den Vater geprägt, und wenn sie sprechen könnten, wäre ihr erstes Wort vielleicht: „Papa“.

Diesem Präge-Wettstreit stellen sich auch immer mehr Menschenväter. Sie wollen das Recht der ersten Nacht mit dem Sprössling nicht allein der Mutter überlassen, die sich so schon den entscheidenden Vorteil verschafft im Rennen um das erste Wörtchen, das ein Jahr später „Mama“ lauten wird.

Die Berliner Vivantes-Krankenhäuser tragen dem Streit jetzt Rechnung. Junge Väter können nicht nur bei der Geburt dabei sein, sondern auch gleich in der Klinik übernachten - für 40 bis 80 Euro Vollpension. Und so flüstern auf nächtlichen Klinikfluren bald Mutter und Vater um die Wette in das Babyohr: „Mama“, „Papa“, „Mama“, „Papa“…

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