• Die EU will ganz sicher sein: Harte Vorschriften für Flüge Passagiere werden am Gate in „clean“ und „unclean“ unterschieden

Berlin : Die EU will ganz sicher sein: Harte Vorschriften für Flüge Passagiere werden am Gate in „clean“ und „unclean“ unterschieden

Auch Besucher aus Israel und den USA sollen schärfer kontrolliert werden

Klaus Kurpjuweit

Verschärfte Sicherheitsvorschriften der EU zwingen die Flughäfen zu hohen zusätzlichen Ausgaben. In Berlin muss die Flughafengesellschaft deshalb ein weiteres Terminal in Tegel bauen. Glück haben die Planer bei der Konzeption für den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld. Weil der Bau seit Jahren auf sich warten lässt, können die aktuellen Vorgaben gleich in die Planungen einbezogen werden.

Wie schnell ein als hochmodern gepriesener Flughafen durch Vorschriften der EU ins Hintertreffen geraten kann, muss dagegen München erfahren. Erst im Sommer 2003 war dort das zweite Terminal eröffnet worden. Jetzt muss nachgebessert werden – für einen dreistelligen Millionenbetrag.

Nach der Brüsseler Verordnung 2320 dürfen ab 2008 kontrollierte Passagiere nicht mehr auf Menschen treffen, die auf einem Flughafen außerhalb der EU gestartet sind. Die EU unterstellt dabei, dass grundsätzlich alle anderen Flughäfen nicht sicher sind. Passagiere und Flughäfen werden in die Kategorien „clean“ für die EU und „unclean“ eingeteilt.

In der Folge werden Flughäfen, wie Kritiker bemängeln, mit einem bekannt laxen Kontrollsystem, zu dem Experten zum Beispiel griechische Anlagen zählen, als „sicher“ oder „sauber“ eingestuft werden. Passagiere, die dagegen beispielsweise in Israel gestartet sind, gehören zu den „Unsicheren“. Dabei zählen die Flughäfen in Israel zu den bestgesichertsten der Welt. Ähnlich sieht es bei Flügen aus den USA aus.

Um die Wege der „cleanen“ von denen der „uncleanen“ Passagiere trennen zu können, will die Flughafengesellschaft in Tegel ein Leichtbauterminal errichten. Mit veranschlagten Baukosten in Höhe von 12 Millionen Euro kommt Berlin dabei vergleichsweise billig davon. Ein ebenfalls erwogener Umbau des vorhandenen Abfertigungsgebäudes hätte nach Angaben von Flughafenchef Dieter Johannsen-Roth erheblich mehr gekostet.

München muss beim hochmodernen Terminal 2 entweder für rund 300 Millionen Euro ein so genanntes Satellitengebäude bauen, das mit dem bisherigen Abfertigungsgebäude unterirdisch verbunden wird, oder einen Aufbau auf dem Dach vornehmen, was bereits für rund 110 Millionen Euro zu haben wäre.

Einen dreistelligen Millionenbetrag für Umbauten, zu denen auch zusätzliche Toiletten gehören, muss nach Angaben von Flughafensprecher Klaus J. Busch auch der Flughafen in Frankfurt (Main) aufbringen. Dort werden die Umbauten zum Teil mit ohnehin geplanten Modernisierungen gekoppelt. In Schönefeld sind dagegen nach Angaben der Flughafengesellschaft nur kleinere Umbauten erforderlich. Und Tempelhof soll demnächst ohnehin geschlossen werden.

Schon jetzt ist die Abfertigungskapazität in Tegel durch die nach 2001 eingeführten Kontrollvorschriften eingeschränkt. Auch deshalb ist nach Angaben von Johannsen-Roth der Erweiterungsbau nötig, der aber auch zusätzliche Kapazitäten schaffe.

Bereits im nächsten Jahr gelten die strengeren Vorschriften für die Flughafenmitarbeiter, die sich dann ebenfalls wie Passagiere kontrollieren lassen müssen. Allein die Umbauten an den Zufahrten in München kosteten nach Angaben von Flughafensprecher Hans-Joachim Bues rund 7,5 Millionen Euro. In Berlin müssen die Passagiere von 2006 an eine Sicherheitsgebühr zahlen – etwa einen Euro. Bis zur nächsten EU-Vorschrift.

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