Berlin : Die ewige Endstation

Für den BHC ist erneut im Viertelfinale Schluss – 4:5 gegen Neuss

Daniel Pontzen

Wahrscheinlich hatten die Sieger keine üblen Hintergedanken, aber man könnte schon ein wenig Boshaftigkeit hinein interpretieren in das Verhalten der Gästespieler. Die Schlusssirene hatte soeben den 5:4-Sieg von Schwarz-Weiß Neuss beim Berliner Hockey-Club besiegelt, Stefan Kermas’ Hoffnungen auf ein Eindringen in den Kreis der besten vier Mannschaften Deutschlands waren gerade gestorben, ach was, sie waren einem Sekundentod erlegen, so knapp war es zugegangen – da also bauten sich die Sieger in einer Reihe vor dem auf seiner Bank kauernden Berliner Trainer auf und bejubelten geradezu provozierend ausgelassen ihren Erfolg.

Vermutlich richtete die krakeelende Karawane ihre Gesänge ausschließlich an die mitgereisten Fans, die hinter Kermas auf der Tribüne saßen, und doch wird es für ihn ein nur schwer erträglicher Moment gewesen sein. „Wir haben uns dreimal so bravourös zurückgekämpft, wir haben so aggressiv und zugleich diszipliniert gespielt – und sind doch nicht belohnt worden“, sagte Kermas später. Wieder nicht belohnt, muss es wohl heißen, denn die Berliner scheiterten nun zum dritten Mal in Folge im Viertelfinale um die deutsche Hallenhockey-Meisterschaft. „Es wäre ein wunderbarer Erfolg gewesen, ins Finalturnier einzuziehen“, sagt Kermas, nun aber bleibt „wieder nur der Trost der Zuschauer, die uns auf die Schulter klopfen und sagen: Schade, beim nächsten Mal klappt’s schon.“ Dass es am Sonnabend nicht geklappt hat und das Viertelfinale den Berlinern inzwischen wie die ewige Endstation erscheinen wird, hatte vor allem zwei Gründe. Mangelnde Auswertung der Strafecken und eine Unaufmerksamkeit in der Deckung kurz vor Schluss. „Wir hatten vor dem Gegentor zum 4:5 zwei Strafecken und danach zwei. Wenn wir die allesamt vergeben, dürfen wir uns über das Ergebnis nicht beschweren“, sagt Kermas. Zweimal fand der Ball dabei sogar den Weg ins Tor, doch in beiden Fällen war ein Stoppfehler vorausgegangen, den die Schiedsrichter ahndeten. Ausgerechnet Nationalspieler Tibor Weißenborn unterliefen die beiden Flüchtigkeitsfehler, und damit einem der stärksten Berliner, der neben Nico Sonnenschein, Alexander Martin und Bastian Timm für die Heimmannschaft traf.

„Wir sind sehr geschlossen aufgetreten und haben uns durch Rückschläge nicht entmutigen lassen“, lobte Kermas trotz der Niederlage. Drei Mal holten die Berliner einen Rückstand auf, nur das 4:5 drei Minuten vor Schluss konnten sie auch mit einem sechsten Feldspieler nicht egalisieren.

„Wir müssen uns jetzt eben auf unser nächstes Ziel konzentrieren: den Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga auf dem Feld“, richtete Kermas den Blick nach vorn, wenngleich er selbst nicht mehr daran mitarbeiten kann. Er gibt sein Traineramt aus beruflichen Gründen auf. Immerhin bleiben ihm nun Demütigungen wie jene am Sonnabend erspart.

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