Berlin : Die Fanmeile wird nicht verlängert

Auch beim Viertelfinale am Freitag wird das Fest geschlossen, wenn es voll ist. Die Zahl der Besucher kann nur grob geschätzt werden

Jörn Hasselmann,Stefan Jacobs

Die Fanmeile wird nicht erweitert. Dies sagte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) gestern im Innenausschuss. Das Konzept der aus Sicherheitsgründen eingezäunten Meile auf der Straße des 17. Juni habe sich bewährt, „dieses Konzept können wir nicht für beliebige Erweiterungen auflösen“, sagte Körting. Er reagierte damit auf Vorschläge, die Fanmeile bis zum Ernst-Reuter-Platz zu verlängern. So viele Zäune können nicht in so kurzer Zeit aufgestellt werden, zudem beharrt die Polizei darauf, dass der Große Stern aus taktischen Gründen und für An- und Abfahrt von Staatsgästen frei passierbar bleiben muss. Beim Viertelfinalspiel zwischen Argentinien und Deutschland sollen die Eingänge wie bereits gegen Schweden geschlossen werden, wenn die Fanmeile voll ist. Nach Angaben des Veranstalters sollen am Freitag 750 000 Menschen auf und 250 000 Menschen am Rande des Fanfests gewesen sein. Auch wenn diese Angaben bei der Polizei intern als zu hoch eingeschätzt werden: Es war voll. Die Polizei hat Erfahrung von der Love Parade: Die Fanmeile ist 1700 Meter lang und etwa 50 Meter breit, also 85 000 Quadratmeter. Folglich müssten neun Personen auf einem Quadratmeter gestanden haben – das ist zwar im größten Gedränge möglich, aber eine unrealistische Annahme für die Gesamtfläche. Zum Vergleich: Bei der Love Parade 2003 schätzte die Polizei intern eine Person pro Quadratmeter. Damals reichte die Strecke bis zum Ernst-Reuter-Platz, die Teilnehmerzahl wurde auf etwa 500 000 geschätzt. Doch die Polizei will es sich nicht mehr mit Veranstaltern oder Demo-Anmeldern verderben und veröffentlicht keine eigene Zahlen mehr. Dabei wird bei polizeilich relevanten Demos sehr genau gezählt.

Der Senat erklärt, die geschätzte Million Besucher am Sonnabend sei aus Erfahrungswerten berechnet worden und umfasse sowohl die Menschen innerhalb als auch unmittelbar außerhalb der Umzäunung. Die Sorge, dass es im Gedränge zu Panik kommen könnte, hält der Senat als Veranstalter für unbegründet: „Das ist ja keine enge Gasse“, sagte ein Sprecher. Die Masse könne sich problemlos in die großen und schattigen Parkanlagen beiderseits der Straße verteilen. Und eine Erweiterung der Meile fürs Viertelfinale wäre übertrieben: Neben weiteren Videowänden müssten Absperrungen, Strom, Wasser und zusätzliches Sicherheitspersonal organisiert werden. Um die totale Überfüllung zu vermeiden, bitten die Veranstalter um rechtzeitiges Erscheinen. In den nächsten Tagen wolle man noch einmal mit Sicherheitskräften und Polizei über die Organisation beraten. Wem es auf der Straße des 17. Juni zu voll sei, finde auf den Wiesen des Tiergartens genügend Freiflächen. Dort kann man das Spiel zwar nicht sehen, aber hören.

Am Freitag war die Meile etwa eine Stunde vor Anpfiff geschlossen worden. Wer zu dieser Zeit an den Eingängen stand, kam aber noch rein. Die Polizei fing die Besucherströme im Vorfeld ab, damit es an den Eingängen selbst nicht zu Rangeleien und Streit kam. Erstmals war der kilometerlange Zaun von der Polizei genau bewacht worden, damit er nicht von Fans überstiegen oder gar umgerissen wurde. Die Polizei ist froh, dass bisher auf der Meile nichts Gravierendes passiert ist. „Wenn es sehr voll ist und mittendrin passiert etwas, kommen wir kaum hin“, sagte ein leitender Beamter.

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