Berlin : Die Farbe Rosa

Andreas Conrad

singt zum Abschied das Hohelied der MoMA-Tüte Was bleibet aber, stiften die Dichter“, behauptete Hölderlin. Der gute Mann hatte ja keine Ahnung. Mit schönen Worten eine Hymne auf „Andenken“ drechseln, konnte er ja, aber dass er selbst irgendwo Souvenirs eingesackt hätte, ist nur schwer vorstellbar. Das also haben wir schlichten Alltagsmenschen dem Poeten im Elfenbeinturm voraus: Unvergängliches wie den bemalten Betonbrocken aus der Mauer, den grau glitzernden Pflasterstein vom Checkpoint Charlie, den silbrigen Flicken aus Christos Reichstagsplane – und nun die pinkfarbene Tüte aus dem MoMA-Shop. Dinge, die nun wirklich bleiben, an die sich Erinnerungen knüpfen an endlose Sonnenstunden in der Warteschlange, an pulkweisen Kunstgenuss, an davongebuckelte Katalog-Folianten und handlichere Devotionalien. Aber was sind all diese Freuden gegen die Erhöhung des Lebens-, ja des Selbstwertgefühls, den die nur wenige Gramm schwere Tüte zu bieten vermochte. „Ja, ich gehöre dazu“, signalisierte sie unübersehbar der Mitwelt, eine Wirkung, die mit dem Schließen der Ausstellungstüren keineswegs ein Ende findet. Damit liegt die Tüte des MoMA im Sozialprestige auf gleicher Ebene mit denen von KaDeWe, Bloomingdale’s oder Harrods. Man muss kein Dichter sein, um sich auszumalen, welche Karriere dem Kunstbeutel noch bevorsteht: Ebay, Christie’s, Sotheby’s.

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