Berlin : Die Farben des Friedens

Rund 700 Demonstranten nahmen am Berliner Ostermarsch teil – und feierten das 50. Jubiläum des Protests

Liva Haensel

Zwei blaue Ballons mit Friedenstauben ragten in den Himmel, im Hintergrund lief das Lied „Clandestino“ von Manu Chao. Die bunten Banner der Berliner Ostermarschierer schienen aus aller Welt importiert: Palästinensische, tibetische und kurdische Fahnen wehten über den Köpfen der Demonstranten, Plakate forderten „Bundeswehr raus aus Afghanistan“ und „Kein Krieg um Öl“.

Die traditionelle Friedensdemonstration begann in diesem Jahr eher übersichtlich: Nur rund 200 Menschen hatten sich mittags am Adenauerplatz versammelt, doch als sich der Zug in Richtung Gedächtniskirche aufmachte, gesellten sich noch einige Aktivisten hinzu: Rund 700 Demonstranten waren es nach Angaben der Polizei, die sich am Ende zur Kundgebung am Breitscheidplatz versammelt hatten. Für die Friedensaktivisten ist 2008 ein Jubiläumsjahr: Vor 50 Jahren war der erste Ostermarsch in London gestartet.

Sie alle brachte damals wie heute die Sorge um Kriege auf die Straße. „Ich finde es klasse, dass hier alle gemeinsam für Frieden demonstrieren“, sagte eine Kreuzberger Studentin. Die 20-Jährige hält nichts von militärischen Einsätzen: „Nur gewaltloser Widerstand bringt etwas.“ So richtete sich der Protest der Ostermarsch-Veranstalter vornehmlich gegen die Einsätze im Irak und Afghanistan. Nagawang Zongka (28) aus Tibet kam mit drei Freunden – „Free Tibet“ stand auf den Stirnbändern des Quartetts. „Ich sehe diese Veranstaltung auch als Informationsplattform. Wir wollen die Leute auf unseren Konflikt aufmerksam machen“, sagt der politische Flüchtling. Seit Tagen hat er keinen Kontakt mehr zu seiner Familie, die nahe der tibetischen Hauptstadt wohnt. Für ihn ist die Situation in Tibet „traurig und katastrophal“.

Doch auch „Einzelkämpfer“ waren zu finden, wie beispielsweise Herbert Mentzel. Auf der Fahne des Charlottenburgers stand „Für die freie Heide“. Am Sonntag hatten sich bei Wittstock 5000 Menschen versammelt, die gegen die geplante Wiederinbetriebnahme des Luft-Boden-Schießplatzes durch die Bundeswehr demonstriert hatten. „Dagegen muss man ’was tun. Die Bundeswehr macht ja sonst, was sie will“, sagte der 61-Jährige. Dass beim Ostermarsch nicht mehr Zehntausende mitlaufen wie in den 80er Jahren, bedauerte er, aber: „In ein paar Jahren kommt das wieder!“ Liva Haensel

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