Berlin : Die feine Masche

Strickmode muss nicht warm sein, sagt Designerin Maria Tembrink. Aber federleicht und farbenfroh

Susanne Leimstoll

Sie betritt den Laden. Schwarz-weißer Fischgrät, rote Details – das ist ihre Masche heute. Jede Farblinie harmoniert, jedes minimale Detail. Kurzer Rock, kleiner Pulli Westchen, Gürtel, Stulpen, Tuch, Kette – schätzungsweise 10000 Meter ineinander verschlungener Faden, gut 380000 Maschen. Alles an diesem Outfit wirkt selbstverständlich. Die Frau, schwarzer Bubikopf, strenge Brille, trägt nichts anderes als den Strick aus der eigenen Werkstatt. Und jeder, der ihre Stücke mal gesehen hat, erkennt das Design wieder: Das ist Maria Tembrink, die Modemacherin aus Charlottenburg.

Es musste so kommen. Dass sie beim Stricken landen würde, war vorbestimmt. Die Mutter, Hutmacherin und eine Künstlerin an der Strickmaschine. Klein Maria wurde eingehüllt in Maschenkunst. Zur Kommunion trugen die anderen Taft und Spitze. Sie hatte ein weißes Strickkleid. „Und meines war das schönste“, sagt sie. Lernen sollte sie einen soliden Frauenberuf: Kindergärtnerin. Nach Jahren wusste sie, ihre Berufung ist das nicht. Da blieb nur: stricken. Sie fand den Laden in der Suarezstraße, eröffnete ein Wollgeschäft und fing an zu entwerfen. 1984 präsentierte die Quereinsteigerin Maria Tembrink ihre erste eigene Kollektion, seither zeigt sie zwei pro Jahr, immer in eigenen Modeschauen. Die Autodidaktin, heute 59, ist Gastdozentin an HdK und UdK.

Längst lässt sie stricken, entwirft ausschließlich. Kein Pulli, keine Hose, kein Rock wirkt, als sei er schwer. „Pullover und warm, das muss keine Einheit sein“, sagt Maria Tembrink. „Heute gibt es Materialien, die im Sommer kühlen: Mikrofaser, Seide, Viskose. Wichtig ist, dass man die selber pflegen kann.“ Und halten müssen sie, am besten ein Leben lang. Ihre Strickteile sind Schätzchen, die trägt man zu Tode, aber man schmeißt sie nicht weg. „Ich wollte die Strickmode rausholen aus dem Kunstgewerbe, aber eben in der Kunst bleiben“, sagt sie.

Mutig geht sie mit der Faser um: Korrekturen finden sofort statt, wenn ein Teil aus der Strickerei kommt. Sie schneidet einfach rein: ratsch hier, schnipp da. Neue Nähte hin, eine neue Form. „Da muss meine Hand rein“, sagt sie.

In Maria Tembrinks Geschäft ist jetzt Weihnachten – in all seiner Farbenfülle. Das Fenster, ein Vorhang aus 600 Christbaumkugeln. Auf dem Lucia-Kranz, den die Frauenbüste vor dem Spiegel trägt, brennen Kerzen. Der flache Tisch im vorderen Raum sieht aus, als sei gerade Bescherung gewesen: gemusterte Stulpen, Strümpfe, Strickketten, Schals, Täschchen. Accessoires, die Frauen grapschen und anhäufen und nicht mehr hergeben.

Eine modebewusste Kundin, grauhaarig, um die siebzig, stöbert in den ausgestellten Modellen. „Ach, Frau Tembrink“, juchzt sie und lüpft kokett den Mantel, dass das Strickkleid drunter zu sehen ist. „Ich fühle mich so wohl in allem.“ Die Dame trägt Tembrink: Rot mit orangen Punkten. Maria Tembrink, Suarezstr. 14, Charlottenburg, Tel. 3217565, Mo-Fr 11-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr. Morgen, Sonnabend, 18. Dezember, 11-18 Uhr. Mehr im Internet unter www.tembrink.de.

Sie wollen Maria Tembrinks Kette unter Anleitung anfertigen? Dann kommen Sie zum Workshop in ihrem Geschäft in der Suarezstraße 14, Charlottenburg.

Termin: Di., 21.Dezember, 19 bis 21 Uhr. Max. 15 Pers., Kosten: 15 Euro inkl. Material. Bitte Stopfnadel und Schere mitbringen. Es muss nicht gestrickt werden, die Stoffteile sind vorgefertigt.

Anmeldungen ab sofort unter Tel. 3217565.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar