Berlin : Die feine türkische Art

Begegnungszentrum auf DDR-Funkgelände geplant Spekulanten dürften weitere Millionen kassieren

Die Spekulanten, die 2005 das Grundstück des ehemaligen DDR-Rundfunks gekauft haben, machen offenbar das nächste Millionengeschäft: Erst hatten sie einen Teil des für 175 000 Euro von der öffentlichen Hand gekauften Areals für den 20-fachen Betrag an den israelisch-griechischen Investor Albert Ben-David weiterverkauft. Jetzt hat sich ein Interessent für einen weiteren Grundstücksteil gefunden: Der türkischstämmige Unternehmensberater Emre Kiraz will ein deutsch-türkisches Begegnungszentrum mit dem Namen „Kanyon – modern Istanbul“ auf etwa 40 000 Quadratmetern errichten. Ein Vorvertrag mit dem Eigentümer, der Firma „Spree Development“, sei bereits unterschrieben.

Zum Kaufpreis wollte sich Kiraz nicht äußern; nach Ansicht von Kennern der Immobilie ist aber allein dieser Grundstücksteil mehrere Millionen Euro wert. Das Zentrum soll zwischen der Rummelsburger Landstraße und der Nalepastraße entstehen. 30 Prozent des Grundstücks bleiben aus Wasserschutzgründen unbebaut. Einziehen sollen unter anderem ein Fünf-Sterne-Hotel, ein Wellnessbereich mit Dampfbad, ein türkischer Fernsehsender und ein türkisches Einkaufszentrum. Es soll eine Art Gegenentwurf zum Dönerbuden-Kreuzberg werden. „Wir wollen am Image der Türken arbeiten“, sagte Kiraz. Das Zentrum wolle er als „noble Marke“ etablieren und dafür 100 Millionen Euro investieren. Das Geld soll über einen Immobilienfonds vor allem durch türkische Unternehmer aufgebracht werden.

Das fern der City angesiedelte Vorhaben habe dort nach Ansicht von Kiraz beste Bedingungen: „Der Großflughafen BBI wird ein wichtiger Faktor.“ Mit dessen geplanter Fertigstellung 2011 soll auch „Kanyon“ fertig sein. Kiraz erwartet enorme Entwicklungen in Oberschöneweide, das zwischen Flughafen und Innenstadt liegt. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sieht das kritischer. „Wir müssen sehen, wie Kanyon in unser Zentrenkonzept passt“, hieß es. Berlinweit soll der Einzelhandel in Zentren konzentriert werden, zu denen die Nalepastraße nicht zählt. Der Bezirk Treptow-Köpenick steht dem Projekt positiv gegenüber. Er will einen Bauplan entwickeln.

Der einstige Billigverkauf des Areals am Spreeufer hatte heftigen politischen Streit ausgelöst. Seit Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdachts – auch gegen Nico T., den Geschäftsführer der Firma „Spree Development“, die jetzt als Verkäufer auftritt. T. gab sich gestern wortkarg: „Ich melde mich, wenn ich was Konkretes habe. Sonst wird das unseriös.“ obs/mj

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