Berlin : Die Feuerwehr war schneller als der Kanzler

Sabrina Born

Mit seinem Versprechen war der Bundeskanzler schneller als die Feuerwehr, aber bei der Umsetzung hat die Berliner Feuerwehr ihn überholt. Bei seinem Besuch von Ground Zero Anfang Oktober in New York hatte Gerhard Schröder Bürgermeister Rudolph Giuliani eine "Brücke Berlin - New York" zugesagt. Die deutsche Regierung wolle 1000 Berlin-Flüge für New Yorker Jugendliche mit Deutschland-Rundreise und einen Besuch im Kanzleramt spenden. Mit der Reise solle den Jugendlichen geholfen werden, das Trauma des Anschlags zu überwinden.

Was kaum jemand weiß: Dieser Gedanke stammt ursprünglich von Landesbranddirektor Albrecht Broemme: "Ich bestehe nicht auf dem Copyright. Wir wollen einfach praktische Hilfe von Mensch zu Mensch leisten." Bei einem Besuch der amerikanischen Metropole in dieser Woche überbrachte Broemme persönlich das Programm für 150 Kinder und Jugendliche. Start soll im Sommer 2002 sein. Er habe in Amerika Beifall bekommen, sagte Broemme: "Der New Yorker Feuerwehrchef Daniel Nigro und seine Kollegen sind von der Aktion begeistert."

Unmittelbar nach den Anschlägen des 11. September beschloss die Berliner Feuerwehr, etwas für die Halbwaisen und Waisen des Terroranschlags zu tun. Die Idee: Kinder der rund 500 ums Leben gekommenen Feuerwehrleute, Polizisten und Rettungsdienste sollen in Deutschland Abstand zu den Ereignissen und Ruhe finden können. Während Kanzleramt und Ko-Organisator Daimler-Chrysler AG noch am Konzept arbeiten, stehen bei der Feuerwehr Zeitpunkt, Ort und Dauer fest. Geplant seien Aufenthalte in Jugendcamps, Gastfamilien und Erholungsheimen. An der Organisation beteiligen sich auch die Stiftungen Checkpoint Charlie und Luftbrückendank, die Initiative Berlin-USA und der Verein Kindererholungswerk. Das Projekt findet während der amerikanischen Sommerferien vom 28. Juni bis 4. August 2002 statt und soll sich ausschließlich durch Spendengelder finanzieren.

Kanzleramt und Daimler-Chrysler können dagegen noch keine genauen Angaben über die Ankunft der ersten Kinder in Berlin nennen. "Wir sind daran interessiert, die Brücke so früh wie möglich stattfinden zu lassen", sagt eine Regierungssprecherin. Einen konkreten Termin gebe es bisher nicht. "Aber wir sind ständig im Dialog mit den amerikanischen Partnern und Behörden", so die Sprecherin. Zahlreiche Vertreter aus der Wirtschaft wie beispielsweise Lufthansa und Allianz hätten bereits ihre Hilfe signalisiert. "Wir übernehmen die Kosten für die Teilnahme von 100 Kindern und die Versicherungskosten für alle 1000 Kinder", bestätigte Allianz-Sprecher Nicolai Thewes.

Auch die Berliner Feuerwehr will mit ihrem Projekt die Initiative des Bundeskanzlers unterstützen. "Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat den Kanzler schon vor ein paar Wochen schriftlich darüber informiert", sagt der Landesbranddirektor. "In dem Brief des Regierenden Bürgermeisters vom 23. Oktober bitten die Stiftungen Checkpoint Charlie und Luftbrückendank den Bundeskanzler um ein Mandat", heißt es aus dem Roten Rathaus. Das Bundeskanzleramt habe am 12. November geantwortet und das Angebot dankbar angenommen.

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