Berlin : Die Feuerwehr will sparen und trotzdem schnell bleiben

Holger Stark

Die Berliner Feuerwehr wird derzeit umstrukturiert. Bis Ende dieses Monats sollen insgesamt 17 Wachen nach einem neuen Konzept arbeiten, das Personaleinsparungen vorsieht; der Rest soll im kommenden Jahr folgen. Zwei Jahre lang prüfte eine Kommission Einsparmöglichkeiten - niedergelegt sind die Vorschläge in einem Bericht, den Berlins oberster Feuerwehrmann Albrecht Broemme gestern vor dem Innenausschuss des Abgeordnetenhauses erläuterte. Die Vorschläge für die "neue" Feuerwehr sehen weniger Personal auf den Wachen vor. Insgesamt wird die Feuerwehr künftig in drei Direktionen unterteilt.

Bislang übernehmen ältere Feuerwehrkollegen eine Art "Ansprechdienst" in den Wachen. Selbst wenn ein Großteil der Wachenbesatzung im Einsatz ist, war damit die Wache permanent besetzt, um Meldungen und Nachfragen entgegen nehmen zu können. Diese Aufgabe wird künftig eine neue Leitzentrale erfüllen, die mit einer speziellen Software ausgestattet ist und Mitte 2000 ihre Arbeit aufnehmen soll. Sämtliche Anrufe, auch bei den Wachen, werden dann zentral bearbeitet. Pro Wache können damit rund fünf Planstellen entfallen.

Die Abgeordneten sprachen sich dafür aus, die Zahl der relativ teuren Notarztwagen beizubehalten. In einem Notarztwagen arbeiten ein Arzt und zwei Feuerwehrmänner zusammen, sie gelten als "fahrende Intensivstation". Vor allem die Krankenkassen klagen über zu hohe Kosten bei den Notarztwagen und drängen auf die Abschaffung der 14 Fahrzeuge, die im gesamten Stadtgebiet unterwegs sind. Experten sind allerdings der Meinung, dass die Notarztwagen gegenüber kleineren Rettungswagen eine deutlich bessere Versorgung garantieren.

Broemme sagte, ihm sei bewusst, dass das neue Konzept "ein Kompromiss mit Schwachstellen" sei. Es sei wichtig, "nicht länger mit der Umsetzung zu warten", um die Feuerwehr nicht weiter zu verunsichern. Entscheidendes Kriterium sei die Frage, wie lange die Feuerwehr im Notfall brauche. Ein leichter Rettungswagen sei momentan sieben Minuten unterwegs, ein Notarztwagen 13 Minuten und ein Löschfahrzeug acht Minuten. Ziel sei es, trotz der Einsparungen diese Zeiten zu halten.

Die Feuerwehr hat im aktiven Dienst in den vergangenen drei Jahren auf 360 Stellen verzichten müssen. Die Zahl der ständig im Einsatz befindlichen Feuerwehrmänner wurde von rund 700 auf knapp 600 reduziert. "Das Ende der Fahnenstange ist bei den Einsparungen erreicht", sagte der SPD-Innenpolitiker Hans-Georg Lorenz gestern. Auch der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Roland Gewalt, sagte, eine weitere Reduzierung des Personalbestands der Feuerwehr sei "nicht zu verantworten".

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben