Die Finanzbehörde hat eine Idee : Berlins Beamte sind ein Fall für die Therapie

Das ist kein Scherz, sondern ein Plan: Ein wissenschaftlich begleitetes Pilotprojekt soll die Beamten in Berlin stressresistent, zielstrebig, optimistisch und freundlicher machen.

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Demnächst in Ihrer Verwaltung: Starke Mitarbeiter für anstrengende Bürger.
Demnächst in Ihrer Verwaltung: Starke Mitarbeiter für anstrengende Bürger.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Beim Bürgeramt kein Termin vor Februar 2015 mehr frei? Die Stadtteilbibliothek hat dicht gemacht? Die Baugenehmigung fürs Häuschen im Pankower Norden braucht noch ein Jährchen? Wer glaubt, das liegt am fehlenden Personal im öffentlichen Dienst, der irrt. Die Finanzbehörde des Senats hat eine andere These. Sie ist überzeugt, dass die Bediensteten des Landes Berlin seelisch schwächeln, sie sind dringend therapiebedürftig.

Um diesen unhaltbaren Zustand zu beenden, sollen die Haushälter des Abgeordnetenhauses noch vor Jahresende 110.000 Euro locker machen. Für ein arbeitspsychologisches Projekt, das die vorhandenen, knappen Personalressourcen kurzfristig stärkt und stützt. Mit dem Ziel, so steht es in einer internen Vorlage für das Landesparlament, „die psychische Widerstandsfähigkeit des Personals in Belastungssituationen zu stärken“. Dafür sollen die „individuellen Resilienzfaktoren“ der Mitarbeiter verbessert und trainiert werden.

Es geht also, deutet man den Fachterminus richtig, um effektive Krisenbewältigung im Umgang mit den Bürgern im Rahmen der öffentlichen Daseinsvorsorge. Die Finanzbehörde hat auch schon konkrete Vorstellungen, wie das funktionieren könnte. Gestärkt werden sollen: Stressresistenz, Selbstwirksamkeitsüberzeugung, Zielorientierung, Emotionssteuerung, Impulskontrolle und Kausalanalyse. Eng verbunden mit einem „realistischen Optimismus“ und Empathie.

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Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten Bilder aus dem hippen/dreckigen/juten, alten Neukölln (je nach Alter und Herkunft).Und stellen zwei knifflige Fragen: In welchem Ortsteil steht das Karstadt am Neuköllner Hermannplatz? Genau, in Kreuzberg (der Bürgersteig ist die Grenze, das überragende Dach gehört zu Neukölln). Und wer sind die beiden Figuren in der Mitte? Das "tanzende Pärchen" steht dort seit den 80ern, erschaffen wurde es von Joachim Schmettau und drehte sich früher sogar mal. Moment: Joachim Schmettau ... Schmettau? Ja, genau, das ist auch der Mann vom markanten Wasserklops am Europa-Center.Weitere Bilder anzeigen
1 von 96Foto: Kitty Kleist-Heinrich
14.01.2016 08:38Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten...

Wer im überfüllten Rathaus künftig einen Personalausweis beantragen will, darf sich darauf freuen. Herzliche Begrüßung, Kaffee wird vorbeigebracht, wie geht’s den Kindern und dem Hund? Zwischendurch ein Witzchen, „kennen ’Se den schon, kommt ein Finanzsenator auf’s Amt…“ Zum Abschied ein Blumenstrauß und bis hoffentlich bald mal wieder. Die Finanzverwaltung jedenfalls ist fest davon überzeugt, dass ihr Programm die Arbeitsfähigkeit des öffentlichen Personals wirksam stärkt, die „individuelle Verweildauer“ erhöht und insgesamt eine positive Auswirkung auf die landesweiten Personalressourcen hat.

Gedacht ist an ein Online-Coaching unter wissenschaftlicher Begleitung, in Kooperation mit der Humboldt-Universität für zwei Jahre. Kosten-Nutzen-Analyse inbegriffen. Beginnend mit einem Pilotprojekt, dessen landesweite Implementierung einen spürbaren „Beitrag zu einer demografiesensiblen Personalpolitik“ leisten soll. Das wäre auch deutlich preisgünstiger als ein paar Stellen mehr pro Bezirksamt. 

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