Berlin : Die Freiheit zu glauben

Zwei Entscheidungen für Gott in der Sankt-Paulus-Kirche

Viola Volland

SONNTAGS UM ZEHN

Von der Decke der Sankt-Paulus-Kirche in Moabit hängt ein leuchtender großer Stern, die vier Kerzen des Adventskranzes brennen, es riecht nach Weihrauch. „Willkommen, Gottes ew’ger Sohn, du unser Licht und Leben“, singt die Gemeinde, als Pater Thomas Grießbach und der Prior des Dominikanerklosters Sankt Paulus, Pater Michael Dillmann, durch die Sakristei in die spätgotische Hallenkirche schreiten. Seit ihrer Gründung im Jahre 1845 wird die katholische Pfarrei von Dominikanern geleitet. Die Gemeinde zählt rund 5000 Mitglieder, einige hundert sind am vierten Advent zur 11-Uhr-Messe erschienen. Ihnen liest der Prior aus dem Evangelium nach Lukas vor – wie der Engel Gabriel der Jungfrau Maria eröffnete, sie werde bald den Sohn Gottes gebären – wenn sie es nur wolle. „Ich bin die Magd des Herrn“, hat Maria daraufhin geantwortet.

Darauf bezieht sich der Prior in seiner Predigt. „Was muss ich geschehen lassen, was habe ich in der Hand?“, fragt der 38-Jährige – und gibt die Antwort: „Nur mit der Zustimmung des Menschen wirkt Gott.“ So liege es in der Verantwortung jedes Einzelnen, was er aus dem Vertrauen Gottes und aus seinem Leben mache. „Kein freies Geschöpf muss sich automatisch für Gott entscheiden. Es kann und darf auch anders“, sagt der Pater. „Gott liebt, was er geschaffen hat, und in der Liebe steckt die Freiheit, nicht der Zwang, ja zu sagen.“ Das Leben könne einem zwar irgendwie immer gleich erscheinen, geprägt von Routine. Wer das Leben aber zielgerichtet begreife, der gestalte es auch so.

Dann spricht Gemeindepfarrer Grießbach. Der 41-Jährige bittet zwei Frauen zum Altar, beide sind sie Taufbewerberinnen, die in die Gemeinde eintreten möchten. Feierlich überreicht er ihnen das apostolische Glaubensbekenntnis und segnet sie.

Danach müssen die Frauen die Kirche verlassen, bevor die Eucharistiefeier beginnt. „Am kommenden Sonntag werden sie bei der Eucharistiefeier dabei sein“, erklärt Pater Thomas diesen Teil einer monatelangen liturgischen Feier. „Sie bewegen sich Schritt für Schritt auf Christus zu“, sagt der Pfarrer. Endgültig getauft werden die Bewerberinnen dann in der Osternacht.

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