Berlin : Die Friedrichshainer "Galerie im Turm" am Frankfurter Tor soll ihre Bleibe verlieren

Johannes Metzler

Kaffee statt Kunst am Frankfurter Tor? Die "Galerie im Turm" ist bedroht, weil der großzügige Austellungsraum einem Café weichen soll. Engagierte Künstler haben bereits in einem Offenen Brief gegen diese Pläne protestiert.

"Ein schöner, klarer Raum" - so beschreibt die Malerin Monika Meiser die "Galerie im Turm". Unter Künstlern sei die kommunale Einrichtung, untergebracht in einem der repräsentativen Türme, eine feste Größe der Berliner Kulturlandschaft: "Die Galerie hatte schon zu Ost-Zeiten eine gute Ausstrahlung." Auch ihr Leiter Karl-Friedrich Schmalwaßer erinnert gern an diese Zeiten. "Von den großen Museen konnte man in der DDR nicht viel erwarten, die wurden kontrolliert - die interessanten Ausstellungen liefen unter anderem hier", sagt er. Seit nunmehr 35 Jahren ist die Kunst im Turm zu Hause - wie lange das noch so sein wird, ist derzeit allerdings unklar. Zusammen mit anderen Freunden der Institution hat Malerin Meiser einen Offenen Brief verfasst.

Der Grund für die Aufregung sind Pläne der Firma "Wert-Konzept Berlin KG", die im Auftrag von Investoren bereits die beiden Türme saniert hat. Sie will auch den Ausstellungsraum umbauen lassen. Ersten Planungen zufolge sollte die Galerie nur noch durch das Café erreichbar sein und im fensterlosen ersten Stock untergebracht werden. Mittlerweile spricht der für das Projekt zuständige Hans-Joachim Bellers aber davon, die Galerie parallel zur Gastronomie "auf drei Ebenen zu verteilen." Neben dem ersten Stock sollen laut Bellers die unter dem derzeitigen Galerieraum liegenden historischen Treppenanlagen - Teil eines ehemals geplanten U-Bahn-Eingangs - in die Umbauten einbezogen werden. Damit sollte eigentlich schon zur Jahresmitte begonnen werden, und die Galerie plante auf Anweisung des Bezirksamts ihre vorerst letzte Ausstellung bis Juli. Die Wert-Konzept fand bislang jedoch keinen Betreiber für das Café. Da der Mietvertrag mit der Galerie läuft, war die Immobilienfirma auf die Zustimmung des Bezirks angewiesen - und dieser hatte zur Auflage gemacht, dass ein Betreiber benannt wird.

Eine "strikte Trennung von Café und Galerie" werde es jedenfalls nicht geben, sagt Bellers. "Noch unausgegoren" nennt Kulturamtsleiterin Jutta Richter diese Pläne. Sie findet die Zusammenlegung von Gastronomie und Galerie "nicht so toll". Vergleichbare Versuche andernorts hätten keine befriedigenden Ergebnisse gezeigt, zudem seien "Standort und Tradition" des Ausstellungsraums "einzigartig".

Auch Galerist Schmalwaßer sieht die Pläne kritisch. Sollte die Ausstellung tatsächlich vorwiegend mit dem ersten Stock vorlieb nehmen müssen, werde "die Kunst in die ungeliebte Ecke geschoben", die für die Gastronomen ohnehin wertlos sei. Er argwöhnt, dass der Galeriecafé-Kompromiss in Wahrheit ein "Taschenspielertrick" von Kulturstadtrat Dieter Hildebrandt (PDS) sein könnte, um sich die Galerie angesichts der leeren Bezirkskassen bei nächster Gelegenheit ganz vom Hals zu schaffen. Dabei verweist er auf die Fotogalerie am Helsingforser Platz, die von der Schließung bedroht war. Jetzt wollen einige Fotografen die Ausstellung in eigener Regie übernehmen, um sie zu retten - voraussichtlich jedoch nur noch mit befristeter Unterstützung des Bezirks.

0 Kommentare

Neuester Kommentar