• Die frühere Gesundheitssenatorin setzt sich nun ehrenamtlich für traditionelle chinesische Medizin ein

Berlin : Die frühere Gesundheitssenatorin setzt sich nun ehrenamtlich für traditionelle chinesische Medizin ein

Bernhard Koch

Mit Beate Hübner ließ die CDU neben ihrer bislang einzigen Senatorin aus dem Ostteil auch das von ihr geführte Ressort Gesundheit und Soziales fallen. Im neuen Senat ist dafür SPD verantwortlich. Diese Entscheidung sei "ein Fehler", sagt die Senatorin a. D. im Tagesspiegel-Gespräch, dies sähen auch CDU-Gesundheitsminister anderer Bundesländer so: "Neben Steuerpolitik sind Gesundheit, Soziales und Renten die wichtigsten Zukunftsthemen, da ist doch Musik drin." Frustriert sei sie schon ein bisschen.

Sie habe sich zum Beispiel beim Abbau von Überkapazitäten in Kliniken um "sachliche Politik" bemüht, ohne Rücksicht auf das Parteibuch eines Chefarztes oder lokale Wahlkreis-Interessen von Abgeordneten. "Natürlich" habe es Konflikte mit vielen Besitzstandswahrern gegeben, doch die "waren objektiv notwendig".

Ungerecht findet Beate Hübner zudem, dass die Krankenkassen, allen voran die AOK Berlin, jüngst die von ihr verantwortete Gesundheitspolitik kritisierten, weil Millionen-Sparversprechen nicht eingehalten worden seien: "Für die städtisch geführten Krankenhäuser sind die geplanten Budgetkürzungen voll erbracht worden", und nur dort habe sie direkten Einfluss gehabt. Die Kassen müssten sich fragen, ob sie bei nichtstaatlichen Kliniken gut verhandelt haben: "Da soll es statt Abbau von Betten und Stationen Aufrüstung mit Zustimmung der Kassen gegeben haben", sagt Frau Hübner. "Absolut kontraproduktiv" sei auch die aktuelle Kassen-Blockade bei Klinik-Investitionen, wobei es sich neben Um- und Neubauten auch um Vorhaben zur Gefahrenabwehr wie den Einbau eines Aufzuges handle. Die Kassen haben für Investitionen im Ostteil ein Vetorecht, sie zahlen hier gemäß Einigungsvertrag anteilig mit.

Die Folgen einer Hübner-Entscheidung wirken bis heute nach: Der Rauswurf des eigenen Staatssekretärs im Herbst vergangenen Jahres hat Gesundheitssenatorin a. D. Beate Hübner letztlich ihre Senatskarriere verhagelt. Nachdem sie CDU-Parteifreund Detlef Orwat wegen einer nicht mehr zu kittenden Vertrauenskrise vor die Tür gesetzt hat, gewann sie zwar ungeahntes Profil etwa in der Krankenhauspolitik. Doch der Befreiungsschlag der Marzahnerin gegen den in der westlich dominierten Union verankerten Reinickendorfer Orwat hat Frau Hübner die Hilfe dringend nötiger Seilschaften gekostet. Bei CDU-Strippenzieher und Orwat-Freund Klaus Landowsky stieß die Emanzipation der 44-jährige Mutter von vier Kindern auf wenig Gegenliebe.

Will die Ex-Senatorin dem Politikgeschäft nun den Rücken kehren? Keineswegs, sagt die Vorsitzende des CDU-Ortverbandes Hellersdorf mit immerhin 130 Mitgliedern. Ehrenamtlich engagiert sie sich zudem für ihr fachliches Lieblingsprojekt, die traditionelle chinesische Medizin. Beate Hübner sitzt einem Förderverein vor, dabei sind beispielsweise Charité-Dekan Roland Felix und der Generalsekretär des Johanniterordens, der eine Professur stiften will. China-Medizin soll erforscht, als Ergänzung zur Schulmedizin etabliert und aus der "Schmuddelecke" geholt werden. Für dieses Ziel ist ein gemeinsames China-Institut von Freier und Humboldt-Universität geplant. Einen China-Sprachführer hat Frau Hübner auch schon.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben