Berlin : Die FU will die Dahlemer Museen nicht haben, für die Schlossmiete fehlt ein Finanzier

Ulrich Zawatka-Gerlach

Manche Ideen sind so gut, dass sie geradezu unbezahlbar sind. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, hat eine solche Idee. Er schlug vor, die Sammlungen der europäischen und außereuropäischen Kulturen in Dahlem auf den Schloßplatz in der historischen Stadtmitte umzusiedeln. Dort, wo das Stadtschloss wiedererstehen soll. Der Vorschlag fand höchstes Lob, aber die finanziellen Folgerungen wurden nicht näher durchdrungen. Wohl, um der Idee nicht gleich den Todesstoß zu versetzen.

SPK-Präsident Lehmann geht davon aus, dass die (mittelfristig unaufschiebbare) Sanierung des Dahlemer Museumkomplexes, dessen Neubauten 1964 bzw. 1971 fertiggestellt wurden, 400 Millionen Mark kosten wird. Dieses Geld sollte besser ins Stadtschloss gesteckt werden. 400 Millionen Mark: Das ist fast zehnmal so viel, wie die Neubauten in Dahlem ehemals gekostet haben. Zu den Akten gelegte Sanierungspläne des Architekten Helge Sypereck sahen sogar aufwändige Rück- und Neubauten vor. Vorläufig stehen im Haushalt der Stiftung aber nur 75 Millionen Mark zur Verfügung, um die Ausstellungsräume für die Indische und Ostasiatische Kunst umzubauen und zu erweitern, und um den wenig attraktiven Eingangsbereich der Museen neu zu gestalten. Nicht mehr. Für die drohende Grundsanierung ist keine müde Mark eingeplant.

Die 400 Millionen Mark, die Lehmann als "Verhandlungsmasse" für ein museales Stadtschloss ins Spiel bringt, sind dennoch nicht aus der Luft gegriffen. In einer internen Projektstudie, von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Auftrag gegeben, wurde der Sanierungsbedarf am Standort Dahlem auf eben diese Größenordnung geschätzt. Das Gutachten jagte dem Bundesfinanzminister Theo Waigel vor drei Jahren einen gehörigen Schrecken ein, denn der Bund ist neben Berlin wichtigster Geldgeber der Stiftung. Absoluten Vorrang hat aber die Restaurierung der Museumsinsel und der Staatsbibliothek, die im nächsten Jahrzehnt über 1,9 Milliarden Mark verschlingen wird. Andere Vorhaben sind absehbar nicht finanzierbar.

Also wurde die Studie stillschweigend in die Schublade geschoben. Erst wenn die genehmigten 75 Millionen Mark in Dahlem verbaut seien, entstehe neuer Entscheidungsbedarf, sagt SPK-Sprecher Wolfgang Kahlcke. Sollten dann keine weiteren Gelder mehr freigegeben werden, weil man auf das Stadtschloss hofft, entstünde für die Museen im Südwestzipfel Berlins - trotz der verlockenden Perspektive - eine schwierige Situation. Eine Hängepartie. Das räumt auch Kahlcke ein. "Saniert werden müssen die Gebäude so oder so, und das wird mit hohen Kosten verbunden sein." So oder so heißt: Auch ein anderer, nicht-musealer Nutzer müsste zahlen. Oder man sprengt das Viertel zwischen Armin- und Lansstraße in die Luft. Wie einst das Berliner Schloss.

Nun hat Stiftungs-Präsident Lehmann der benachbarten Freien Universität, die unter chronischem Raummangel leidet, den Museumskomplex en passant angeboten. Doch die FU ist nicht sehr scharf darauf. An den Rand eines Tagesspiegelkommentars vom 5. Mai ("... die FU dürfte sich ohnehin über jede Ausweichmöglichkeit freuen") schrieb der Technische Leiter der Uni, Peter Kunze, den Satz: "Aber nicht, wenn das 400 Millionen Mark kostet." Außerdem hat die FU jetzt Raumnot und kratzt gerade alles Geld zusammen, um das ehemalige US-Headquarter an der Clayallee zu erwerben und zu sanieren. Lehmanns Angebot an die FU sei wohl eher "eine Nebenidee, die man verantwortlich zurzeit nicht kommentieren kann", sagt Kunze. Was in zehn, 15 Jahren sei - wer könne das wissen?

Ja, wer kann das wissen? Und wer weiß schon, ob und wann das Stadtschloss auf dem Schloßplatz stehen wird? Und wer soll dann, wenn sich dort tatsächlich ein - europaweit wohl einzigartiges - Zentrum der außereuropäischen Kultur etablieren sollte, die Unterkunft bezahlen? Experten gehen von einem Mietpreis von 200 Mark pro Quadratmeter im Stadtschloss aus, das nach der Abdankung Kaiser Wilhelms II. noch bis 1950 Kunstgewerbemuseum war, also durchaus museale Erfahrung mitbringt. 50 000 Quadratmeter benötigten die Dahlemer Sammlungen. Das wäre aus Bordmitteln nicht annähernd finanzierbar.

Lehmanns Idee, das wird in der Stiftung auch freimütig zugestanden, sei vorläufig eine "Rechnung mit vielen Unbekannten". Aber: Gute Ideen dürften nicht sogleich mit finanziellen Konditionen beschwert werden. Der SPK-Präsident hat mit seinem Vorstoß wohl auch signalisiert: Das Schloss sollte vorwiegend öffentlich genutzt, also auch öffentlich finanziert werden.

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