Berlin : Die Gebäude-Dompteure

Früher hieß es Reinigung, heute Facility Management:Die Großen der Branche haben ihren Sitz in Berlin

Daniel Rhee-Piening

Ob Dussmann, Gegenbauer oder Piepenbrock: Angefangen haben sie meist als Ein-Mann-Betriebe für die Gebäudereinigung. Heute nennt sich das Arbeitsgebiet Facility Management (FM). „Die Seele des Gebäudes und sein Dompteur“, so beschreibt die Fachhochschule Gelsenkirchen die Aufgaben des Facility Managements. Die Unternehmen dieser Branche managen Krankenhäuser, Bürotürme, Rathäuser und Hochhäuser, sie kümmern sich um Technik, Organisation und Finanzen, und natürlich müssen sie sich bei Mieten, Versicherungen und Abrechnungen auskennen. Kurz und gut: Sie müssen dabei sein vom ersten Spatenstich bis zum Abriss – „und dabei das technische und wirtschaftliche Optimum erreichen“, wie es die Fachhochschule Gelsenkirchen erklärt. Aber nicht nur in Gelsenkirchen, auch an der Fachhochschule in Berlin lässt sich FM studieren.

Der Praktiker Harald Bode, Berliner Niederlassungsleiter der Piepenbrock Dienstleistungen GmbH+Co. KG, würde sich manchmal wünschen, beim ersten Spatenstich dabei zu sein. „Die Architekten denken bei Außenfassaden oder Glasflächen nicht immer daran, dass man die auch mal reinigen muss.“ Und nicht jeder Kunde fragt nach. Deshalb bieten die Großen der FM-Branche auch Teillösungen an: Technik, kaufmännisches Management und Sicherheitsdienste ergänzen die klassische Gebäude-Reinigung. Aber es bleibt Platz für die Kleinen, die es zuhauf gibt in Berlin.

Laut Gebäudereinigerinnung gab es 2003 rund 400 Betriebe mit etwa 38000 Beschäftigten. Nach dem Wegfall des Meisterzwangs 2005 ist die Zahl rasant gestiegen. „Heute sind es fast 1000 Unternehmen mit etwa 40000 Beschäftigten“, sagt die Geschäftsführerin der Innung, Erika Schönenberg. Der Großteil der Neuzugänge sind Kleinstbetriebe mit ein bis zwei Beschäftigten. Auch viele Ich-AGs befinden sich darunter.

Doch es gibt auch Traditionsbetriebe: Die Nummer eins auf dem Berliner Markt, GegenbauerBosse, feierte dieses Jahr ihr 80-jähriges Jubiläum. Und noch älter ist die Großberliner-Reinigungs-Gesellschaft des Handwerkspräsidenten Stephan Schwarz. Sie wurde 1920 gegründet. Piepenbrock wiederum kam in den 70er Jahren an die Spree. Dussmann gründete Anfang der 60er Jahre seine erste Niederlassung in Berlin und siedelte 1994 mit der Zentrale von München über.

Der Markt ist groß – und er wächst weiter. Auf 340 Millionen Euro schätzt Piepenbrock-Mann Bode den Gesamtumsatz im Großraum Berlin. Rund 70 Millionen davon verbucht Piepenbrock in seinen Büchern. Dabei liegen zwar „die erzielbaren Preise um zehn bis 20 Prozent unter denen in Frankfurt am Main oder München“, sagt Christian Lewandowski, Geschäftsführender Gesellschafter von Gegenbauer. „Aber dafür sind hier die Arbeitskräfte auch billiger“, fügt er hinzu.

Doch nicht nur der Umsatz macht Berlin attraktiv. „Wenn man die Nummer eins ist, muss man auch in der Hauptstadt vertreten sein“, sagt Bode. Das bringt Imagegewinn. So reinigt Piepenbrock zum Beispiel die Philharmonie oder das Finanzministerium. Rund 3800 Mitarbeiter werden von der Piepenbrock-Zentrale in Berlin-Reinickendorf gesteuert. Etwa 400 arbeiten in Berlin vor Ort.

Dussmann bringt es im Gesamtkonzern auf knapp 1,2 Milliarden Euro Umsatz mit mehr als 53000 Beschäftigten in 26 Ländern, davon allein 4500 in Berlin. Rund 80 Prozent des Umsatzes werden mit FM erwirtschaftet. 20 Prozent entfallen auf die Senioreneinrichtungen. „Der Markt in Berlin ist für uns sehr lukrativ“, sagt Vorstand Thomas Greiner. Bei FM bietet Dussmann vor allem Komplettlösungen an. „Unser Ziel sind große, technisch anspruchsvolle Aufträge.“ In Berlin ist dies beispielsweise das Gebäude der Dresdner Bank am Pariser Platz.

Aber Dussmann expandiert vor allem im Ausland. Mit Audi ging der Dienstleister nach Ungarn, Infineon folgt man europaweit. „Die Märkte der Zukunft sind Vietnam und China“, sagt Greiner. Beide werden von Berlin aus erschlossen. Gegenbauer wiederum setzt verstärkt auf die Wohnungswirtschaft, „und wir schauen nach Übernahmekandidaten“, sagt Lewandowski.

In Berlin spielt die Ausbildung eine wichtige Rolle. Insgesamt 330 Auszubildende arbeiten im Unternehmen. „Wir bilden in der Gebäudereinigung 60 Prozent des Bedarfs in Berlin und Brandenburg aus“, sagt Lewandowski mit Stolz.

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