Berlin : Die Geheimwaffe Nawrocki (Glosse)

Axel Bahr

Von wegen dilettantischer Haufen. Von wegen im Schlafwagen die Macht verpennen. Die SPD weiß, wie man die Weichen Richtung Zukunft stellt. Franz Müntefering ist nicht nur scheidender Verkehrsminister und oberster Parteistratege in spe. Er ist vom Scheitel bis zur Sohle ein gewiefter Taktiker. Der Mann ist mit allen Wassern gewaschen und weiß, wie die Sozialdemokraten wieder zu Höhenflügen ansetzen werden. Sein Gesellenstück hat Müntefering gestern abgeliefert. Dabei dachte der Geniale, es merke zunächst niemand. Von wegen. Der Coup ist offensichtlich. Die SPD hat ihre schärfste Waffe entsichert: Axel Nawrocki.

Geschickt getarnt als Rausschmiss wegen notorischer Erfolgsdefensive setzte Müntefering gestern CDU-Manager Nawrocki von seinem Vorstandsposten bei der Bahn frei. Eine Position, die sich der einstige Berliner Olympia-Kämpfer zu Beginn dieses Jahrzehntes hart und unter selbstlosem Einsatz unzähliger Spesenkonten erkämpft hatte. Nawrocki ist ein Mann mit Stil, der den Erfolg anzieht wie das Licht die Motten. Bescheiden wie es seinem Naturell entspricht, nahm Nawrocki nach der knappen Olympia-Entscheidnung für Sydney zunächst mit einem regionalen Chefposten vorlieb und stellte für die hiesige S-Bahn die Signale. In Demut tat er es, denn er fühlte sich der Stadt verpflichet. So ist er nun mal. Der Ruf zur großen Bahn folgte bald. Nawrocki konnte einfach nicht nein sagen. Nun ist er wieder frei für große Aufgaben. Eberhard Diepgen braucht bald einen neuen Verkehrssenator. Das weiß Müntefering sehr wohl. Weiß Axel Nawrocki das auch?

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