Berlin : Die Geiß schmeckt heiß

Matthias Gleiß kocht wieder im Kreuzberger Umspannwerk – mit neuer Linie in neuem Ambiente. Er konzentriert sich auf Regionales und zeigt im Workshop elegante Varianten von Blutwurst und Zicklein

Eine Serie von Susanne Leimstoll[Bernd Matthies],Kai-Uwe Heinrich
Jetzt nicht gleich meckern. Ziege auf dem Teller ist mal was anderes. Aber natürlich verarbeitet „Volt“-Küchenchef Matthias Gleiss kein Monster-Exemplar wie in unserer Fotomontage, sondern Zicklein. Das wird schön zart. Foto / Montage: Kai-Uwe Heinrich
Jetzt nicht gleich meckern. Ziege auf dem Teller ist mal was anderes. Aber natürlich verarbeitet „Volt“-Küchenchef Matthias Gleiss...

Eigentlich ist alles wie immer. Wer Matthias Gleiß, den kochenden Sympathieträger, und das alte Kreuzberger Umspannwerk lange nicht gesehen hat, der wird nichts vermissen. Allerdings: Warum heißt das gute alte „H.H.Müller“ plötzlich „Volt“?

Das alte Backsteingebäude, das ja seit Jahren einer der imposantesten Ess-Orte der Stadt ist, hat sich nicht nur im Namen verändert, der mehr Spannung und weniger Retro-Gefühl verheißt; auch hinter den Kulissen hat sich einiges getan. Denn Gleiß, der eine ganze Weile nicht dabei war und das Scheitern seiner Nachfolger aus der Ferne miterlebte, ist nun als Miteigentümer zurückgekehrt, was manchen unproduktiven Konflikt ausschließt.

Das Restaurant, mit seinen neun Metern Höhe nicht einfach zu gestalten, wirkt heimeliger, ist viel stimmungsvoller beleuchtet, die Tische sind schlüssiger gestellt. Und Gleiß, der ja in seinen ersten Jahren stark von Kurt Jäger, dem Meister der Spontanküche, geprägt war, konzentriert sich nun viel stärker als früher auf seine regionalen Wurzeln, legt die Gerichte eine Spur deftiger an, kümmert sich stärker um Saison und Gemüse. Beispielhaft ist dafür sein Umgang mit der Blutwurst, die auch in unserem Workshop-Menü eine tragende Rolle spielen wird. Sie steckt er beispielsweise in Ravioli und begleitet sie aufs Köstlichste mit Birnenscheiben und gebratener Entenleber.

Auch die einfachen, anderswo so gern versemmelten Dinge wie das Kalbskotelett mit Rosenkohl, Schnittlauchpüree und Rosmarinjus gelingen Matthias Gleiss einwandfrei – ein Zeichen beispielhafter kulinarischer Kontinuität. Überflieger, die uns in schnell geöffneten und schnell wieder geschlossenen Restaurants Sterneküche zum Schnäppchenpreis versprechen, müssen jedenfalls noch lange üben, um die hier selbstverständliche Preis-Qualitäts-Relation zu erreichen. Bernd MatthiesRestaurant Volt, Paul-Lincke-Ufer 21, Kreuzberg, Reservierungen unter Telefon 6107 4033. Nur Abendessen ab 18 Uhr, sonntags geschlossen. www.restaurant-volt.de

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben