Berlin : Die Genossen machen’s unter sich aus

Schafft es SPD-Kandidat Siegfried-Scheffler zum vierten Mal, die PDS in Treptow-Köpenick zu überflügeln?

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Von Steffi Bey

Treptow-Köpenick wird immer beliebter. Rund 7000 Menschen sind beispielsweise in den vergangenen Jahren in die Ortsteile Rahnsdorf, Hessenwinkel und Wendenschloss gezogen. Dieser Trend wird im Bezirk allerdings nicht durchweg positiv bewertet: Nach Auffassung von PDS und Grünen führt die seit Jahren praktizierte Baupolitik dazu, dass die einst idyllischen Ortsteile mit monströsen Stadtvillen zugebaut werden.

Für den SPD-Bundestagskandidaten Siegfried Scheffler „gibt es keinen schöneren Fleck zum Wohnen“. Schon drei Mal ist es ihm gelungen, den Wahlkreis direkt zu gewinnen. Diesmal trifft Scheffler auf einen „harten Brocken“, den PDS-Kandidaten Ernst Welters. Der PDS-Mann profiliert sich seit Jahren gegen den Ausbau des Flughafens Schönefeld. 35 bis 40 Prozent der Stimmen möchte Welters für die PDS holen. Sollte ihm das gelingen, wäre es ein Novum im Südosten der Stadt. Bei der letzten Bundestagswahl scheiterte die PDS in Treptow-Köpenick, obwohl sie mit Parteipromi Lothar Bisky angetreten war. Mit einem Erststimmen-Ergebnis von 37,6 Prozent lag Siegfried Scheffler (SPD) vor Bisky, der 34,8 Prozent schaffte. Es war ein Vorsprung von immerhin 4114 Stimmen. In diesen Tagen geben sich die Konkurrenten Scheffler und Welters betont optimistisch: Denn beide müssen für den Einzug in den Bundestag den Wahlkreis gewinnen, weil sie nur unsichere Plätze auf den Landeslisten ihrer Parteien haben.

Die SPD rechnet vor allem in den Siedlungsgebieten Hessenwinkel, Müggelheim, Friedrichshagen und Rahnsdorf mit Zuwächsen. Gerade dorthin sind in den vergangenen Jahren viele Familien gezogen, weswegen auch die FDP hier besonders intensiv auf Stimmenfang geht. Wenn die Sozialdemokraten in diesen Ortsteilen tatsächlich zulegen, hat das wahrscheinlich auch etwas mit der Enttäuschung über die „Flughafen-Politik“ der PDS zu tun; sie hatte im Bundestag für den Airport-Ausbau gestimmt.

Der geplante Ausbau von Schönefeld beschäftigt die Menschen seit Jahren. Die Bezirksverordneten und das Bezirksamt haben sich stets mehrheitlich dagegen ausgesprochen. Denn etliche Wohn- und Erholungsgebiete sind davon betroffen: Über den Köpfen Tausender Anwohner wäre Experten zufolge alle 90 Sekunden ein Flugzeug zu hören. Aus diesem Grund hat sich der Bezirk schon von einigen Bauprojekten in betroffenen Gebieten verabschiedet. Weil die Proteste nicht den gewünschten Erfolg brachten, reden Treptow-Köpenicker Politiker inzwischen von einer Schadensbegrenzung. So müsse der Planfeststellungsbeschluss überprüft, unbedingt ein Nachtflugverbot erwirkt und die Nutzung „der modernsten und leisesten Maschinen“ erreicht werden.

Im Bezirk sind 17 Prozent der Erwerbsfähigen ohne Job. Im einst größten innerstädtischen Industriegebiet Berlins, im Köpenicker Ortsteil Oberschöneweide, standen noch bis 1989 mehr als 25000 Menschen in Lohn und Brot. Großbetriebe wie das Kabelwerk Oberspree oder das Transformatorenwerk Oberspree brachen mit der Wende zusammen. Den Strukturwandel - weg von der Industrie und hin zum Gewerbegebiet - lässt sich das Land seit dem jährlich mehrere Millionen Euro kosten. Im Wilhelminenhof, im Gewerbegebiet Tabbertstraße oder im Technologie- und Gründerzentrum Spreeknie sind wieder rund 2000 Leute beschäftigt. Das Vorzeigeobjekt ist zweifellos die Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien in Adlershof. Auf dem Gelände westlich vom Adlergestell haben sich bereits 360 Unternehmen mit 3600 Beschäftigten angesiedelt.

Zum Verkehr: Für die nahegelegene Köpenicker Altstadt soll es bereits ab Oktober „Stau-Entwarnung“ geben. Die neue Brücke, die von der Straße An der Wuhlheide über die Spree nach Spindlersfeld führt, wird zur Entlastung beitragen. Später endet die Trasse am Adlergestell. Das Verkehrschaos in der Altstadt wird von Investoren oft als K.O.-Kriterium gegen den Bezirk genannt.

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