Berlin : Die geschenkte Wildnis

Umweltstiftung übernimmt frühere Truppenübungsplätze und will sie nach und nach zugänglich machen.

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Wo sich Erika und Fuchs gute Nacht sagen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat riesige Flächen übernommen, die früher militärisch genutzt wurden. Foto: DBU/promo
Wo sich Erika und Fuchs gute Nacht sagen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat riesige Flächen übernommen, die früher...Foto: Björn Conrad

Potsdam – Mehrere 100 000 Hektar Land in Brandenburg haben nach dem Abzug der sowjetischen Truppen 1994 noch keine neue Nutzung gefunden. Weil die Areale meist weit abgelegen und schwer mit Altmunition belastet sind, ist eine wirtschaftliche Nachnutzung oft ausgeschlossen. Dafür fanden im Schatten geborstener Betonruinen einige schützenswerte Tiere und Pflanzen eine neue Heimat. Zwei dieser ehemaligen Militärgebiete hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) jetzt vom Bund übernommen, darunter den größten Teil des früheren Truppenübungsplatzes Doberlug- Kirchhain. Außerdem übernahm die Stiftung 340 Hektar des sogenannten Zschornoer Waldes an der deutsch-polnischen Grenze bei Cottbus. Seit den 50er Jahren wurde das Areal als Schießplatz genutzt. Beide Gebiete gehören zu bundesweit 33 Flächen, die der BDU in Form einer Schenkung übertragen werden. Dies hatte die Bundesregierung bereits im Jahr 2000 entschieden. Ziel ist es, die zum „nationalen Naturerbe“ erklärten Flächen dauerhaft zu schützen.

Als Eigentümerin der Gebiete firmiert die gemeinnützige Tochtergesellschaft der Bundesstiftung, die DBU Naturerbe GmbH mit Sitz in Osnabrück. Jährlich steckt die Stiftung zwischen drei bis fünf Millionen Euro in die Pflege der 33 Gebiete. Der DBU-Tochter gehören mittlerweile vier Areale in Brandenburg mit insgesamt rund 10 000 Hektar. Dazu gehören auch die Rüthnicker Heide bei Neuruppin und das Naturschutzgebiet „Forsthaus Prösa“ bei Elsterwerda.

Die beiden neu erworbenen Gebiete sollen ihren Charakters behalten oder renaturiert werden. „Dadurch, dass die Gebiete lange Zeit wegen der erheblichen Munitionsbelastung gesperrt waren, haben sich dort seltene Tier- und Pflanzenarten angesiedelt“, erläutert Katja Cherouny, Sprecherin der DBU Naturerbe GmbH. „Wir schauen uns die Gebiete genau an und erstellen dann einen individuellen Entwicklungsplan, der in den kommenden zehn Jahren umgesetzt werden soll.“ So würden etwa naturnahe Wälder sich selbst überlassen und damit in die Wildnis überführt, Monokulturen aufgeforstet und Gewässer bei Bedarf renaturiert, sagt Cherouny. Nicht verwildern sollen dagegen die kahlen Flächen, die etwa durch intensive Panzerübungen entstanden sind. Dort leben seltene Vögel wie Ziegenmelker und Neuntöter.

Zumindest bei Doberlug-Kirchhain und im Zschornoer Wald gibt es nach DBU-Angaben noch spektakulärere Tiere. So sollen auf dem knapp 1200 Hektar großen Gebiet des ehemaligen Truppenübungsplatzes Seeadler, Schwarz- und Rotmilan, Schwarzspecht und Auerhuhn leben. Im insgesamt rund 1800 Hektar großen Waldgebiet bei Cottbus dagegen haben sich Birkhühner und Wölfe angesiedelt. Bereits im vorigen Jahr übernahm die DBU dort rund 1500 Hektar.

Wegen der hohen Belastung mit Munitionsresten lassen sich die beiden Gebiete nur eingeschränkt erkunden. Besucher dürfen die markierten Wege nicht verlassen. Langfristig sollen ausgewählte Bereich begehbar gemacht werden. „Die Umweltbildung ist ein wichtiger Pfeiler für uns, die Besucherlenkung auf den jeweiligen Flächen eine zentrale Aufgabe“, sagt DBU-Naturerbe-Sprecherin Cherouny. Bei Prora auf der Insel Rügen baut die Stiftung derzeit gemeinsam mit einem privaten Investor für rund 13,5 Millionen Euro ein Umweltbildungszentrum und einen Baumwipfelpfad. „Solch eine Investition,“ sagt Cherouny, „ kommt für die Flächen in Brandenburg wohl eher nicht infrage.“

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