Berlin : Die gespendete Linde

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Jule Böwe, 35, ist Schauspielerin. Seit 1999 gehört sie zum Ensemble der Schaubühne. Sie hat sich für eine Linde in der Rykestraße entschieden.

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Den Baum haben wir selbst gepflanzt, vor sieben Jahren. Vor der Wende waren die Gasleitungen in der Straße porös geworden, alle Bäume gingen ein. Dann ging jemand aus der Nachbarschaft rum und sammelte für neue Linden. Ich wohne seit l987 in der Rykestraße. Dort fühle ich mich wohl, weil die Bewohner diesen Kiez immer wieder verteidigt haben. Das war schon zu DDR-Zeiten so. Die Stadt wollte die runtergekommenen Häuser abreißen und Plattenbauten hinstellen, aber die Leute haben dagegen gekämpft. Später haben wir dann eine Genossenschaft gegründet, um ein paar Häuser aus der Spekulationsmasse rauszuhalten und selbst zu verwalten. So sind die Mieten stabil geblieben und die Bewohner konnten bleiben.

Ich freue mich über die Linden, jeden Morgen, wenn ich aus dem Haus trete. Ich weiß gar nicht, ob man das heute noch darf: ohne behördliche Genehmigung pflanzen. Ich denke aber, wir werden es künftig tun müssen. Jetzt sind die Gelder knapp. Damit die Stadt bewohnbar bleibt, müssen wir sie als unser Eigentum begreifen und uns um sie kümmern: um soziale Einrichtungen, Plätze, Häuser – und eben Bäume. Die wachsen zwar von selbst, aber jemand muss sie erst einmal pflanzen und, wenn es im Sommer heiß und trocken ist, sie auch mal gießen.

Aufgezeichnet von Marc Neller

Bis Frühjahr 2006 sollen 350 Bäume gepflanzt werden. Dafür sucht die Bürgerstiftung Spender, die doppelt Gutes tun: die die Pflanzung unterstützen und die Projekte der Bürgerstiftung. Wer spenden möchte: Deutsche Bank, BLZ 10070000, Konto 239 3437, Dresdner Bank, BLZ 10080000, Konto 1000007. Weitere Infos zur Stiftung unter 83228113 oder www.buergerstiftung-berlin.de.

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