Berlin : Die größte Attraktion ist eine neun Hektar große Wanderdüne

Der zehnte Naturpark des Landes Brandenburg ist am Sonntag in den Niederungen der Flüsse Nuthe und Nieplitz feierlich eröffnet worden. Das 623 Quadratkilometer große Areal südlich der Landeshauptstadt Potsdam wird von Flachwasserseen, Mooren, Wiesen, Äckern und Kiefernwäldern geprägt. Größte Attraktion ist eine neun Hektar große Wanderdüne auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog-West. Zahlreiche seltene Pflanzen- und Tierarten wie Schwarzstorch, Seeadler und Fischotter finden in dem Gebiet Unterschlupf. Wappentier des Naturparks Nuthe-Nieplitz ist der Kranich.

Umweltminister Eberhard Henne (SPD) sagte in seiner Festansprache im Schlosspark von Blankensee (Landkreis Teltow-Fläming), dass das Land Brandenburg die für diese Legislaturperiode gesetzten Ziele beim Aufbau von Großschutzgebieten erreicht habe. Die 14 Gebiete, darunter ein Nationalpark und drei Biosphärenreservate, nehmen mehr als 8900 Quadratkilometer und damit gut 30 Prozent der Landesfläche ein. Ein elfter Naturpark rund um den Stechlinsee soll nach Angaben des Umweltministers Anfang des kommenden Jahrtausends entstehen und wahrscheinlich 1080 Quadratkilometer groß werden.

Durch die Nähe zu Berlin und Potsdam sei der Naturpark Nuthe-Nieplitz für den Tourismus "hervorragend geeignet", betonte Kulturminister Steffen Reiche. Der Politiker, gleichzeitig SPD-Landesvorsitzender, ist einer der Mitinitiatoren des Naturpark-Fördervereins mit Sitz in Stücken (Landkreis Potsdam-Mittelmark). Dort befinden sich auch die Naturparkverwaltung, die unter der Leitung von Hubertus Meckelmann steht, sowie die fünf sogenannten Öko-Rangers der Naturwacht.

Im Naturpark Nuthe-Nieplitz leben etwa 30 000 Menschen, pro Quadratkilometer sind das im Schnitt 48 Bewohner. Zwei Städte - Beelitz und Treuenbrietzen - befinden sich im Gebiet. Die stärker industriell geprägten Städte Trebbin, Luckenwalde und Jüterbog liegen am Rande, jedoch nicht auf dem Territorium des Naturparks.

65,4 Prozent des Areals sind Natur- oder Landschaftsschutzgebiet. Damit wird die Forderung des brandenburgischen Naturschutzgesetzes nach mindestens 50 Prozent geschützter Fläche in einem Naturpark klar erfüllt. "Wo Naturpark draufsteht, ist in Brandenburg auch Natur drin", sagte Umweltminister Eberhard Henne. Das Gebiet an Nuthe und Nieplitz wird inzwischen seit sieben Jahren finanziell gefördert. Bis zum Jahr 2004 wollen die Bundesrepublik, das Land Brandenburg und der Förderverein ungefähr 29 Millionen Mark in den Naturschutz investieren.

Etwa 41 Prozent der Naturparkfläche sind bewaldet. Dominierend sind trockene Kiefernwälder, es kommen aber auch feuchte Laubmischwälder, Erlen-Eschen-Wälder und naturnahe Erlen-Bruchwälder vor. 25 Prozent des Areals sind Äcker, 28,5 Prozent Grünland. Seen haben 1,8 Prozent Anteil, Siedlungen und Verkehrsflächen 3,6 Prozent.

In Feuchtgebieten und Bruchwäldern behielten Kraniche, Graugänse, Kiebitze, Rotschenkel, Uferschnepfen und Bekassinen eine Brutheimat. Auch Fischotter, Moorfrosch und Drosselrohrsänger kommen hier vor. Auf ungedüngten Wiesen überdauerten Orchideen, Lungenenzian, Sumpfherzblatt und Färberscharte.

Der ehemalige Truppenübungsplatz Jüterbog-West soll in Kürze als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Er ist allerdings stark munitionsverseucht und soll sich nach Plänen der Umweltschützer von allein renaturieren. Auf den sandigen Flächen lebt eine der wenigen Spinnen, die beim Menschen ernsthafte und schmerzhafte Vergiftungen anrichten kann: Wenn sich der Dornfinger bedroht fühlt, springt er den Eindringling sogar aus bis zu einem Meter Entfernung an.

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