Berlin : Die große Armada

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VON TAG ZU TAG

Andreas Conrad über Jesus Christus und James Bond auf der Havel

Ach ja, die Sechziger. Da gab es noch Schlager, die das Leben spiegelten. Das witzige, spritzige, erfrischende Leben. Man möchte sich glatt in solch ein Liedchen hineinplumpsen lassen wie in den Wannsee. Auch wenn der noch recht frisch ist. Also zuhören, mitträllern: „Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn, sofern die Winde wehn, das wär doch wunderschön.“ „Sexie Hexy“ Dany Mann hat das geschmettert, in manchem Ohr wird es jetzt noch klingeln. Gestern wäre es die Hymne des Tages gewesen, denn Havel und Wannsee, sie waren weiß! Segel reihte sich an Segel. Mast an Mast. Besonders am Großen Fenster, so schildern Augenzeugen, sei mit dem Boot kaum noch ein Durchkommen gewesen, hätte man die Havel fast zu Fuß überqueren können.

So ist das nach einem überlangen Winter: Kaum scheint die Sonne mit Macht, kann man schon Jesus spielen auf dem Wasser. Oder man stellt sich vor, man heiße James Bond, sitze auf einer winzigen Insel fest, umringt von Alligatoren: An einem sonnigen HavelWochenende kein Problem. Einfach Augen zu und drüber weg. Ein Berliner Käpitän wird nie zuschnappen. Nur meckern.

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