Berlin : Die große Bescherung blieb für viele Händler aus

Das Weihnachtsgeschäft verlief in Berlin sehr unterschiedlich: Von den neuen Öffnungszeiten profitierten die Center und die guten Lagen

Cay Dobberke

Das Weihnachtsgeschäft hat für viele Berliner Händler einen erfreulichen Abschluss gefunden: „Der Freitag war der umsatzstärkste Tag, aber auch am Sonnabend blieb es voll“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, Günter Päts. Den größten Ansturm erlebten Supermärkte, Kaufhäuser mit Lebensmittelabteilungen und Feinkostläden. Insgesamt rechnet der Handelsverband damit, dass die Umsätze im Advent um etwa zwei Prozent höher lagen als 2005.

Es gebe allerdings eine „starke Differenzierung“, schränkte Päts ein. „In 1A-Lagen sind die Geschäfte zufrieden“, während die Situation in den Außenbezirken und im Umland oft ganz anders sei. Hinsichtlich der Öffnungszeiten sieht Päts den Trend, dass ab Januar auch in Citylagen überwiegend nur noch an zwei bis drei Wochentagen bis 22 Uhr verkauft wird. Theoretisch ermöglicht das neue Ladenöffnungsgesetz werktags den Verkauf rund um die Uhr; hinzu kommen bis zu zehn verkaufsoffene Sonntage.

Im KaDeWe habe das Weihnachtsgeschäft „ab Mitte Dezember ein Plus gegenüber dem Vorjahr“ gebracht, sagte Sprecherin Petra Fladenhofer. Das größte Gedränge herrschte in der Feinschmeckeretage, außerdem waren Unterhaltungselektronik und Kosmetika die Renner. Das KaDeWe werde auch im Januar und Februar donnerstags bis sonnabends jeweils bis 22 Uhr öffnen.

Das Kulturkaufhaus Dussmann in der Friedrichstraße zeigte sich „außerordentlich zufrieden.“ Laut Sprecherin Bianca Krömer gab es im Dezember Umsatzzuwächse in zweistelliger Prozentzahl gegenüber dem Vorjahr. Die längeren Öffnungszeiten (montags bis donnerstags bis 2 Uhr, freitags rund um die Uhr und sonnabends bis 24 Uhr) hätten maßgeblich dazu beigetragen.

Positiv sieht der Kaufhof am Alexanderplatz die Entwicklung. Die besten Umsätze brachten die Adventssonntage, aber auch werktags gab es Zuwächse. „Wir haben acht bis zehn Prozent des Tagesgeschäfts zwischen 20 und 22 Uhr gemacht“, sagte Geschäftsführer Detlef Steffens. Ab Januar gilt die verlängerte Verkaufszeit nur noch donnerstags bis sonnabends.

Enttäuscht ist dagegen Fred Lehmann, Geschäftsführer von Karstadt in der Wilmersdorfer Straße. Trotz längerer Verkaufszeiten habe er nur „gleichbleibende“ Umsätze gehabt. Die Hauptursache sieht Lehmann in der Großbaustelle des geplanten Centers „Wilmersdorfer Arcaden“. Außerdem zeigte eine Umfrage der Händler, dass „87 Prozent der Kunden die alten Öffnungszeiten reichen“. Deshalb will Karstadt in der Fußgängerzone ab Januar montags bis sonnabends wieder nur bis 20 Uhr verkaufen.

Die Potsdamer-Platz-Arkaden haben im Advent 10 bis 15 Prozent des Umsatzes nach 20 Uhr gemacht. „Insgesamt lief es besser als im Vorjahr“, sagte Centermanager Thomas Sänger.

Jenseits der großen Einkaufsstraßen sind viele Händler frustriert, „Die längeren Zeiten haben nur den Centern etwas gebracht“, kritisiert die Buchhändlerin und Vorsitzende der IG Reichsstraße in Charlottenburg, Ursula Kiesling. Leider seien fast alle Händler aber auch nicht bereit, längere Öffnungszeiten zu testen. In Zehlendorf schließen nach wie vor die meisten Läden werktags um 18 bis 19 Uhr und am Samstagnachmittag – genauso wie vor dem neuen Gesetz. „Immerhin sind die Umsätze diesmal etwas besser als im Vorjahr gewesen“, sagt Thomas Herrmann vom Verein „Zehlendorf-Mitte Marketing“.

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