Berlin : Die große Flatter

Gericht: Tierschützer müssen Flughund Kasimir an Besitzerin zurückgeben. Doch sie weigern sich

Kerstin Gehrke

Noch hängt Kasimir kopfüber unter der Decke im Fledermausgehege in der Spandauer Zitadelle. Doch das Berliner Artenschutz-Team (BAT), das sich seit knapp zwei Jahren um den indischen Riesenflughund kümmert, muss das inzwischen stadtbekannte Tier an eine Frau aus Wedding herausgeben. Die 55-jährige Besitzerin eines Hundesalons sei die rechtmäßige Eigentümerin, entschied gestern das Berliner Kammergericht und bestätigte damit das Urteil der Vorinstanz.

Kasimir ist ein weit gereister Exot. Im Jahr 1987 soll er aus Holland oder Belgien nach Berlin gekommen sein. 17 Jahre lang lebte er in einem Hundesalon – erst in der Genter Straße, dann bei Monika Rothgänger in der Togostraße. Sie hatte den Flughund von einer Kollegin übernommen. Bis Kasimir, der zu seinen Hundesalon-Zeiten Max hieß, vom Bezirksamt Mitte beschlagnahmt wurde. Die Behörde vermutete einen Verstoß gegen den Artenschutz und übergab das Tier in die Obhut des BAT. Seitdem Kasimir im Zitadellen-Exil unter artverwandten Fledermäusen lebt, wird erbittert gestritten. „Wir haben das Tier aufgepäppelt“, sagt der Vorsitzende des BAT, Jörg Harder. Kasimir sei bei seiner Beschlagnahme unterernährt und psychisch gestört gewesen. Für den Flughund mit einer Flügelspannbreite von 1,20 Meter sei es im Salon viel zu eng und zu trocken gewesen. Im feuchten Keller der Zitadelle sei er „putzmunter“. Die Besitzerin hält dagegen: „Er war kerngesund, er hat es gut bei mir.“

In dem Zivilverfahren aber ging es lediglich um die Eigentumsrechte. Und die hatte bereits die Vorinstanz der Hundesalon-Besitzerin zugesprochen. Kasimir nämlich ist kein Illegaler, weil das entsprechende Artenschutzgesetz bei seiner Einfuhr noch nicht galt. Schon vor einigen Monaten wollte ein Gerichtsvollzieher den Flughund zu seiner Besitzerin zurückbringen. Die Tierschützer aber gaben ihn nicht heraus. Diese Szene wird sich voraussichtlich wiederholen. Die Frau will erneut einen Gerichtsvollzieher einschalten. Die Artenschützer aber berufen sich auf einen „eindeutigen Auftrag des Bezirksamtes, Kasimir zu beherbergen“. Ein neuer Rechtsstreit zeichnet sich ab, der dann das Verwaltungsgericht beschäftigen könnte. „Ich sehe kein Ende des Dramas“, sagte gestern die Vorsitzende Richterin.

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