Berlin : Die große Gala vor dem Anpfiff

André Heller verpflichtet Rockstar Peter Gabriel und DJ Paul van Dyk für die WM-Eröffnungsfeier

André Görke,Robert Ide

Top Secret. So lautet die offizielle Standardantwort in deutschen Organisationskreisen, wenn es um die Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im Berliner Olympiastadion geht. 25 Millionen Euro kostet die abendfüllende Show des österreichischen Künstlers André Heller am 8. Juni 2006. Am Freitag sollen erste Details der Veranstaltung in Berlin öffentlich vorgestellt werden.

Noch gehe es um Feinabstimmung, berichten gut informierte Kreise. Doch schon jetzt steht fest: Für die Show vor Millionen Menschen am Bildschirm und 75 000 Fans im Olympiastadion hat Heller mehrere internationale Künstler von Rang gewinnen können. Nach Informationen des Tagesspiegels soll der britische Sänger Peter Gabriel, Mitbegründer der Band Genesis, für die Musikproduktion verantwortlich sein. In der vergangenen Woche hat er sich deshalb mit DJ Paul van Dyk, der mit an der Musik für die Gala arbeitet, im Olympiastadion getroffen. Regisseur der so genannten „World Cup Gala Berlin“ soll ein junger europäischer Künstler sein, verlautet aus Organisationskreisen; der Name wird noch hartnäckig verschwiegen. Für das Bühnenbild auf dem Rasen ist Mark Fisher zuständig, der sich als Designer spektakulärer Rockkonzerte – etwa für die Rolling Stones, Pink Floyd oder U2 – einen Namen gemacht hat. Beim Geheimtreffen war neben Fisher auch Brian Eno anwesend, der die musikalische Gesamtleitung der WM übernehmen soll. Wer den offiziellen WM-Song singt, steht noch nicht fest.

Die Eröffnungsfeier in Berlin, für die es ab Herbst Eintrittskarten geben wird, findet einen Tag vor dem WM-Eröffnungsspiel statt und wird weltweit live übertragen. Die vielen beteiligten Künstler werden ab diesem Sommer auch in Berlin üben. „7000 Statisten werden eineinhalb Stunden auf dem Rasen des Olympiastadions tanzen“, heißt es bei den Organisatoren. „Die müssen ihre Laufwege vorher proben.“ Verantwortlich ist Chefchoreograph Doug Jack, der 2004 die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Athen mitorganisiert hatte.

Zum Vergleich: Die Eröffnung des Konföderationen-Pokals morgen in Frankfurt am Main kostet rund 400 000 Euro. Höhepunkt dieser Feier soll ein Hochseillauf des Schweizer Spezialisten David Dimitri sein, der auf einem 14 Millimeter dünnen Stahlseil das Stadion überqueren wird. Danach spielt die deutsche Nationalmannschaft gegen Australien.

In Frankfurt sind die Proben dafür abgeschlossen, auf Berlin kommen in den kommenden Monaten erste Herausforderungen zu. So sollen die WM-Darsteller in Schulhallen trainieren, die wegen des Schülerschwunds nicht mehr gebraucht würden. Auch sollen Hallen auf dem Olympiagelände Hellers Agentur Artevent zur Verfügung gestellt werden. Die österreichische Agentur hat in Berlin längst ein Büro aufgemacht. Geprüft wird derzeit auch, ob die vielen tausend Darsteller im Winter in einen der Hangars am Flughafen Tempelhof ausweichen können. Ab Frühjahr 2006 sollen die Künstler dann im alten Poststadion – nördlich des neuen Hauptbahnhofs – oder im Jahnsportpark in Prenzlauer Berg trainieren. „Das ist besser als das Maifeld, weil sie einen Eindruck von Stadionarchitektur bekommen“, berichten Kenner des WM-Kulturprogramms. Zudem würden sie dann den Aufbau der riesigen Zeltdörfer für Sponsoren und Vips nicht stören.

Wegen der vielen Menschen auf dem Rasen muss dieser nach dem Fest ausgetauscht werden. Das schreibt das interne Pflichtenheft des Weltverbandes Fifa vor. Die Kosten von 120 000 Euro soll der Ausrichter, also die Fifa, übernehmen. Logistisch sei das kein Problem, sagen deutsche Organisatoren. Als einen Tag nach dem deutschen Turnfest im Mai Hertha BSC gegen Hannover spielte, mussten die Organisatoren bis morgens um fünf Uhr Teile des Rasens austauschen, allerdings machte das Grün keinen guten Eindruck. Diesmal hätten die Organisatoren drei Tage lang Zeit. Das erste WM-Spiel im Olympiastadion findet am 12. Juni 2006 statt.

Die Eröffnungsfeier der Fußball-WM findet am 8. Juni 2006 im Berliner Olympiastadion statt und wird weltweit und live übertragen.

Peter Gabriel , 55, ist zuständig für das Musikkonzept. Lieder wie „Sledgehammer“ gehörten zu den meistgespielten der Neunzigerjahre.

Paul van Dyk , 33, ist im brandenburgischen Eisenhüttenstadt geboren und heute einer der berühmtesten DJs und Produzenten der Welt.

André Heller , 58, ist Chef des WM-Kulturprogramms. Von ihm stammt der Fußball-Globus, der während des Endspiels wieder in Berlin stehen wird.

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