Berlin : Die große Hoffnung: Friedlich für den Frieden

Zehntausende ziehen durch das Zentrum – die NPD will sich mit 400 Anhängern darunter mischen

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Heute wollen Friedensbewegte aus ganz Deutschland friedlich in der Hauptstadt gegen einen IrakKrieg demonstrieren: Mehr als 100 000 Teilnehmer erwartet der aus rund 50 Organisationen bestehende Trägerkreis „Aktionsbündnis 15. Februar“. Die Polizei rechnet mit 50 000 Demonstranten. Schon gestern spürte Berlin die Vorbereitungen auf die Großdemo: Verkehrsstau rund um die Siegessäule, Aufbau der Bühne auf der Straße des 17. Juni und eine erhöhte Polizeipräsenz.

Die Teilnehmer werden auf zwei Routen durch die City zur Abschlusskundgebung am Großen Stern ziehen. Der Abmarsch wird um 30 Minuten auf etwa 12.30 vorverlegt, wie ein Polizeisprecher am Freitag sagte. Auf der Kundgebung werden neben dem Vorsitzenden der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, auch der Bürgerrechtler und Theologe Friedrich Schorlemmer reden. Der Liedermacher Reinhard Mey und die ostdeutsche Rockband Puhdys unterstützen das unter anderem aus Gewerkschaftsorganisationen, kirchlichen Jugendgruppen und Friedensinitiativen bestehende Aktionsbündnis ebenfalls. Es werden allein 500 Reisebusse aus ganz Deutschland erwartet.

„Wir gehen von einem friedlichen Verlauf der heutigen Demonstration aus“, sagte der Einsatzleiter der Polizei, Jürgen Schubert. Es lägen auch aus Geheimdienstkreisen keine Hinweise auf Anschläge oder geplante Gewalttaten vor, während oder nach der Kundgebung. Unter den Linden, wo einer der beiden Demonstrationszüge entlang zieht, liegen mehrere als gefährdet eingestufte Objekte wie die US-Botschaft, die französische und die britische Botschaft, aber auch die ungarische und die russische Botschaft. Die Polizei hat heute für diese Gebäude die Sicherungsvorkehrungen noch weiter erhöht. So verhindern Absperrgitter, vor denen Polizisten postiert sind, dass mögliche gewalttätige Demonstranten die Missionen stürmen. Insgesamt 900 Polizisten sind eingesetzt. Über 100 davon sind „weiße Mäuse“, die frühzeitig vor Ankunft des Demonstrationszuges die Straßen sperren. Die Berliner müssen sich in jedem Fall auf erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen einstellen.

Um mögliche Differenzen zwischen rechten und linken Demonstranten zu verhindern, wird das „Aktionsbündnis 15. Februar“ eigene Ordner einsetzen. Auch die Polizei sei um Mithilfe gebeten worden. Der Bundespressesprecher der NPD, Klaus Beier, erwartet bis zu 400 NPD-Mitglieder und Sympathisanten. Wo genau sie sich einreihen, konnte Beier nicht sagen. Die Veranstalter distanzierten sich gestern erneut von Aufrufen Rechtsextremer. Das Aktionsbündnis hat den wegen antisemitischer Äußerungen umstrittenen Jamal Karsli nach öffentlicher Kritik von seiner Unterstützerliste gestrichen. Die vom Verfassungschutz als Islamistisch eingestufte türkische Organisation Milli Görüs ruft ihre 40 000 Mitglieder auf, an der Demonstration teilzunehmen. Organisierte Fahrten werde es aber nicht geben, hieß es in der Zentrale in Kerpen. Wie berichtet, sollen arabische Teilnehmer zwischen Grünen und der SPD laufen. kög/ weso/ suz

Mehr im Internet:

www.15februar.de

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