Berlin : Die große Toilette Tiergarten: Es stinkt zum Himmel

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Harald Büttner, Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes in Mitte, ist täglich auf der Fanmeile unterwegs, um sie zu inspizieren. Immer wieder wundert er sich. Da stehen offensichtlich freie Toilettenhäuschen, und gleich nebenan, ganz ungeniert, mehr als ein Dutzend Männer in den Büschen. Was sie da machen, ist eindeutig. „Offenbar ein archaisches Muster, der Reflex des Beinchenhebens.“

Es scheint auch ein Spar-Reflex zu sein. Immer wieder beschweren sich Fans, dass sie für den Toilettengang 50 Cent zahlen sollen. Dabei ist das kein Muss, sondern ein Kann – als kleines Dankeschön ans Putzpersonal. Das „Müssen“ bekommt nun hauptsächlich der Tiergarten ab. Da zieht es fast ausschließlich männliche Fans hin, wo sie schätzungsweise mindestens 100 000 Liter Wasser täglich lassen, das normalerweise in die Häuschen fließen müsste. Mit rund 300 Klos gibt es jedenfalls nicht zu wenig, meint Büttner. Auch die doppelte Zahl würde seiner Ansicht nach nicht zu besserem Benehmen führen.Um gerade im Bereich der VIP-Tribüne peinlich beißenden Geruch zu vermeiden, gießt das Amt täglich in aller Frühe sechs Millionen Liter Wasser auf Büsche und Wiesen. Das wird aus der Spree gepumpt, verdünnt die Harn-Haut auf dem Boden und hält die Pflanzenschäden in Grenzen.

Viel schlimmer findet Büttner die Schneisen, die durch Pinkel-Pfade entstanden sind. Durch die Love Parade sei der Park schon angegriffen, nun hätten sich die Schäden „vertieft“. Der Tiergarten, so der Fachmann, „kriegt einen Hieb weg“. Zumindest in seinen Randbereichen. Da müsse das Land Berlin später finanziell helfen. Andererseits sei in große Teile des Tiergartens auch eine gewisse Ruhe eingekehrt. C. v. L.

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