Berlin : Die großen Arbeitgeber fehlen

Berlin hat seit dem Mauerfall Industrie und Tausende von Jobs verloren

Sigrid Kneist

In der Berliner Wirtschaft überwiegen seit Jahren die schlechten Nachrichten, wirklich gute Neuigkeiten gibt es nur selten. Vom einstigen bedeutenden Industriestandort Berlin, in dem Unternehmen wie Siemens oder die AEG gegründet wurden, ist schon lange nicht mehr die Rede. Auch in diesem Jahr erschütterten bereits einige Hiobsbotschaften die Stadt. Zuletzt kündigte der Nestlé-Konzern an, sein Werk in Tempelhof zum Ende des nächsten Jahres zu schließen; 470 Arbeitsplätze fallen weg. Der Ruhm der Schokofabrik – einstmals Sarotti – war allerdings schon lange verblasst: Früher, um 1910, galt sie als größte Schokoladenfabrik; damals arbeiteten dort 2000 Menschen.

Auch beim Bosch-Siemens-Hausgerätewerk in Spandau oder bei Alcatel in Tempelhof fürchten die Belegschaften, dass in den Werken in nächster Zeit Hunderte von Arbeitsplätzen abgebaut werden. Aber auch kleinere Arbeitgeber, wie der Mineralwasserabfüller Spreequell, kündigten an, ihre Produktion aus Berlin zu verlagern.

Trotz dieser Negativmeldungen hält die Senatsverwaltung für Wirtschaft den Standort Berlin mit seinen Unternehmen an sich im Wettbewerb mit anderen deutschen Regionen für konkurrenzfähig, auch wenn die großen Industriearbeitgeber fehlen, die auch ein Motor für den Mittelstand seien. Und der Verband der Metall- und Elektroindustrie in der Region führt den derzeitigen Arbeitsplatzabbau ebenfalls eher auf die Rezession zurück als auf strukturelle Gründe wie im zurückliegenden Jahrzehnt.

Denn in den Jahren nach der Wende erlebte die Berliner Industrie den größten Niedergang, und zwar in beiden Stadthälften. In West-Berlin machte sich der Wegfall der Berlin-Subventionen bemerkbar. Die „verlängerte Werkbank“, die viele Konzerne in Berlin aufgrund der Förderungen installiert hatten, fiel weg. Den Ost-Betrieben hingegen waren nach der Einführung der D-Mark die Absatzmärkte in Osteuropa weggebrochen, und auf den West-Märkten waren die Produkte einfach nicht konkurrenzfähig. In zehn Jahren gingen weit über die Hälfte der Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe in Berlin verloren. 1991 fanden dort noch 263 000 Menschen Arbeit, 2001 gab es nur noch 112 000 Beschäftigte.

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