Berlin : Die Großstadt-Cowboys

Mit Gitarre und Waschbrett: Die Berliner Band Bosshoss spielt Country Doch Westernfans kommen eher selten zu ihren Konzerten

Judith Jenner

Sisters Of Mercy waren die Ersten. Dann folgte Rapper Eminem, die russischen Popsternchen T.a.t.u., Britney Spears und die Beastie Boys. Die Songs dieser Bands mussten als Vorlage für die rockigen Western-Songs von Bosshoss herhalten. „Das war erst mal eine Schnapsidee“, sagt Alec Völkel alias „Boss“. Das Ganze eingefallen ist ihm und seinem Kumpel Sascha „Hoss“ Vollmer in einer bierseligen Nacht in einer Kneipe. „Die ersten Studioaufnahmen kamen richtig gut an. Leute, die nie etwas von Country wissen wollten, wippten plötzlich mit“, sagt Vollmer. Als der erste Auftritt nahte, suchten sich Völkel und Vollmer, die beide aus Prenzlauer Berg kommen, fünf Musiker aus ihrem Freundeskreis zusammen. Die spielen nun Gitarre, Kontrabass, Percussion – und Waschbrett. Am Sonnabend treten sie in der Columbiahalle auf.

„Wir haben mit Country ebenso wenig am Hut wie die meisten Menschen unseres Alters“, sagt der 33-jährige Alec Völkel. „Deshalb geht es uns nicht darum, besonders authentisch zu wirken.“ Vorher haben sie Gitarrenrock gemacht. Das merkt man ihren Shows an. Auf schnittige Western-Accessoires verzichten sie trotzdem nicht. In weißen Unterhemden, Bluejeans und Cowboyhüten fordern sie ihr Publikum zu „Yee Haw“-Rufen heraus, sprechen Südstaaten-Dialekt und nehmen die Sonnenbrillen auch im Dunkeln nicht ab. „Auf der Bühne sind wir aus Nashville“, sagt Vollmer.

Inzwischen ist Bosshoss bei der Plattenfirma Universal unter Vertrag, ihr Album „Internashville Urban Hymns“ hat sich inzwischen etwa 60 000 Mal verkauft. Für einen Eiskrem-Werbespot sang die Gruppe ihre eigene Version von „Like Ice In The Sunshine“. „Für uns war das eine super Promo“, sagt Alec Völkel, „auch wenn Jack Daniels als Sponsor besser gepasst hätte. Aber das kann ja noch kommen.“ Ihre Jobs als Grafiker haben die Bandgründer aufgegeben. Sascha Vollmer betreibt noch ein Tonstudio.

Western-Fans sind auf Bosshoss-Konzerten eindeutig in der Minderheit. Das Publikum ist eher szenig, genießt die ironischen Untertöne der Show und vergnügt sich an den Titeln. „Viele Coverversionen erkennt man erst am Refrain, besonders HipHop-Songs von Eminem oder den Beastie Boys“, sagt Völkel. Die aktuelle CD enthält aber auch drei selbst geschriebene Songs. Davon soll es auf dem zweiten Album, das im Frühjahr 2006 erscheint, noch mehr geben.

Trotz dem Fünkchen Ironie, das die Großstadt-Cowboys auszeichnet, hat Sascha Vollmer sich in ein echtes Western-Accessoire verliebt. Verträumt streicht er über ein neues Paar Cowboystiefel mit Kamelhaarbesatz, das die Post gerade geliefert hat. „Auf der Bühne kann man so was endlich mal tragen.“

Sonnabend, 3. Dezember um 20 Uhr in der Columbiahalle, Karten unter Telefon (01805) 57 00 00, Informationen unter www.thebosshoss.com

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