• Die Grünen scheitern an den magischen zehn Prozent - junge Wähler konnten nicht angesprochen werden

Berlin : Die Grünen scheitern an den magischen zehn Prozent - junge Wähler konnten nicht angesprochen werden

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Mit dem Unterschreiten der Zehn-Prozent-Marke haben die Grünen eine "magische Grenze" verfehlt und damit eine "Niederlage" erlitten. Das wollte gestern auch Fraktionschefin und Spitzenkandidatin Renate Künast nicht schönreden. Zweistellig hätte das Ergebnis sein müssen, um die Vokabel Niederlage vermeiden zu können. 9,9 Prozent haben sie erreicht, also: Berlins Grüne, noch vor einem Jahr vom rot-grünen Siegestaumel und neuen Hoffnungen ganz berauscht, sind seit diesem Sonntag die Wahlverlierer der Stadt.

Die Gründe liegen bei den großen Verlusten gerade in den östlichen Bezirken, aber auch im Westen verabschiedeten sich viele Stammwähler. Allerdings betonte Frau Künast, dass man mit 13,2 Prozent vor vier Jahren ein für grüne Verhältnisse sehr gutes Ergebnis erzielt habe und insofern die Messlatte sehr hoch gelegen habe. "Wir haben ein großes Defizit bei den jüngeren Wählern. Wir haben wohl noch nicht recht verstanden, dass die Jugend heute anders ist als die, die einmal die Grünen gegründet haben", sagte Frau Künast gestern. Am meisten schien es die Spitzenkandidatin aber zu ärgern, dass es die Berliner Partei nicht geschafft hat, dem negativen Bundestrend ein zweistelliges Ergebnis entgegen zu setzen und damit auch dem selbstbewussten Wahlkampfslogan "Berlin ist anders" gerecht zu werden. Offenbar hat es sich nicht ausgezahlt, im Wahlkampf weitgehend auf den Einsatz von grüner Bundesprominenz zu verzichten und damit eine stumme Distanz zur Bundespolitik aufzubauen. Die Berliner Grünen würden nun aber nicht in eine Depression verfallen, sondern sich nach einer "kurzen "Atempause" mit ganzer Kraft in die Oppositionsarbeit stürzen, so Künast.

Heute soll sich die neue Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus konstituieren. 18 Abgeordnete ziehen für die Grünen ein, zwei von ihnen konnten in Kreuzberg jeweils ein Direktmandat erringen. Nicht mehr dabei ist der Sportpolitiker Dietmar Volk wie auch Norbert Schellberg. In der Fraktion wird davon ausgegangen, dass sich Renate Künast ein weiteres Mal als Fraktionsvorsitzende bewerben wird. Und das ungeachtet ihrer Ambitionen, im nächsten Frühjahr möglicherweise als Sprecherin der Bundespartei anzutreten. Als weiterer Fraktionschef in der Doppelspitze wird in der Partei der Parlamentsneuling Öczan Mutlu aus Kreuzberg gehandelt. Der türkischstämmige Mutlu konnte ein Direktmandat holen und gilt als neuer Hoffnungsträger.

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