Die Grünen wünschen sich zwei barocke Brunnen : Neptuns Klone

Es wäre eine originelle Lösung im Streit um den Neptunbrunnen: Einfach kopieren, das Ding, schlagen die Grünen vor. Doch ausufernde Brunnenvermehrung ist auch keine Lösung. Eine Glosse.

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Der Neptunbrunnen soll ans Humboldt-Schloss umziehen, wünschen sich die Bewunderer des Vorkriegsberlin.
Der Neptunbrunnen soll ans Humboldt-Schloss umziehen, wünschen sich die Bewunderer des Vorkriegsberlin.Foto: dpa

In einer beliebten Fernsehzeitschrift der 80er Jahre gab es die Mitmach-Rubrik „Original und Fälschung“. Es galt, durch vergleichende Bilderschau kleinste Kopierfehler aufzudecken. Diese überwiegend sinnfreie Spielanregung möchten die Grünen jetzt gerne ins Berliner Stadtbild übertragen. Der Vorschlag ihres baupolitischen Sprechers Andreas Otto: „Wenn das Humboldtforum einen Neptunbrunnen braucht, dann empfehle ich einen Nachbau. Angesichts einer Schlossattrappe wäre eine Brunnenattrappe konsequent und ehrlich.“

Hinter dieser bestechenden Idee, den Konflikt um Brunnen-Verbleib vorm Rathaus oder -Verschiebung vors Schloss zu lösen, verbirgt sich urgrüner Antimonarchismus. Bloß nicht eine krude Fälschung durch originales Beiwerk aufwerten. Umweltaktivisten hätten an der Schlossfreiheit ohnehin lieber einen Ökoteich angelegt, inklusive Tiefbrunnen zur dezentralen Wasserversorgung. Die konservative Presse versucht derweil, Ottos Brunnenvermehrung zu diskreditieren. Von Klonen ist die Rede, nach Schafen, Ziegen und Schweinen wagen sich die Reproduktionsmechaniker jetzt an die Helden der griechischen Mythologie.

Weihnachtsmarkt beginnt am 23. November

Das wirft Fragen auf: Wer hat das Copyright am Neptunbrunnen? Wer haftet, wenn beim Klonen etwas schief läuft? Muss mit einem dreisprachigen Schild „Kopie“ deutlich gemacht werden, was Brunnen ist und was Attrappe? Möge Zeus uns beistehen, die richtigen Antworten zu googeln. Erstmal beginnt am Montag der Weihnachtsmarkt am Rathaus mit dem millionenfach geklonten Hauptdarsteller im roten Mantel und einer fiktiven Altstadtkulisse, die mit Kerzen und Schlittschuhbahn zu einer umsatzträchtigen Nostalgieüberflutung in den neuronalen Netzen der Besucher führt. Der barocke Originalbrunnen fällt in dieser gefälschten Disneylandschaft gar nicht weiter auf.

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