Berlin : Die Hälfte der BVG-Mitarbeiter muss gehen

Drastischer Personalabbau geplant: Von derzeit 12 000 Beschäftigten sollen nur noch 6000 beim Verkehrsbetrieb bleiben

Klaus Kurpjuweit

Der Schrumpfkurs bei der BVG soll viel drastischer ausfallen, als bisher bekannt war. Der BVG-Vorstand will den Personalbestand halbieren. Von derzeit noch mehr als 12 000 Beschäftigten sollen spätestens Ende 2007 nur noch etwa 6000 übrig bleiben. Noch mehr Mitarbeiter müssen ausscheiden, wenn die BVG, wie erwartet, Aufgaben an Konkurrenten verliert und der Senat, wie angekündigt, weniger Fahrten von Bahnen und Bussen bestellt.

Heute will der Vorstand im Internationalen Congress Centrum ICC den Mitarbeitern das Abbaukonzept vorstellen, das intern „Antrieb“ heißt. Die Stimmung unter den Mitarbeitern sei so schlecht wie noch nie, heißt es im Betrieb übereinstimmend. Niemand weiß, wen es treffen wird. Vorrangig will der Vorstand die Verwaltung abspecken – von etwa 1300 auf nur noch 619 Mitarbeiter. Das Programm heißt „Verwaltung 500“. Wenn am Ende aber nur noch 6000 BVGer weiterbeschäftigt werden sollen, müssen auch in anderen Bereichen rund 5000 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.

Dabei setzt der Vorstand nicht nur auf Freiwilligkeit. Betriebsbedingte Kündigungen sind zwar in einem Tarifvertrag ausgeschlossen worden, doch derzeit wird geprüft, ob dies verfassungsmäßig ist. Selbst wenn der Ausschluss der betriebsbedingten Kündigungen verfassungskonform sein sollte, wird der Druck auf die Mitarbeiter, das Unternehmen zu verlassen, erheblich sein. Schlagen sie „attraktive Abfindungsbedingungen“ jetzt aus, sei absehbar, dass es derartige Programme später nicht mehr geben werde, heißt es in einem Papier der Unternehmensberatung Lexington, die sich bei der BVG zusammen mit der Berliner Volksbank um den Beraterauftrag bewirbt. Weiterer Bewerber ist eine Gruppe um die Westdeutsche Landesbank. Das Projekt wird knapp 30 Millionen Euro kosten.

Einig ist man sich, dass die bisherigen Abfindungsangebote nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Begonnen hatte die BVG mit 40 000 Mark als Prämie, inzwischen lockt sie bei den Arbeitern mit Summen um die 50 000 Euro, bei den Angestellten können es über 90 000 Euro sein.

Um das Angebot attraktiver zu machen, überlegt man, ausscheidenden Mitarbeitern BVG-eigene Wohnungen als Eigentum anzubieten. Im Gespräch ist auch der komplette Verkauf der etwa 5500 Wohnungen der Gemeinnützigen Heimstättenbaugesellschaft der BVG, um aus dem Erlös die höheren Abfindungen zu finanzieren. Damit würde die BVG aber auf jährlich etwa drei Millionen Euro Miete verzichten. Um das Abfindungsprogramm zu stemmen, müsste die BVG nach derzeitigen Berechnungen im ungünstigen Fall bis zu 800 Millionen Euro fremdfinanzieren. Bereits jetzt ist die BVG bei den Banken mit rund einer Milliarde Euro verschuldet – Tendenz steigend. Auch in diesem Jahr wird der Verlust mit voraussichtlich 114 Millionen Euro höher sein als erwartet. Er wird vom Senat seit Jahren nicht mehr ausgeglichen, was zur Verschuldung der BVG führt.

Durch den Personalabbau will die BVG jährlich etwa 340 Millionen Euro sparen. Denn auch die weiterbeschäftigten Mitarbeiter sollen nach diesem Modell weniger Geld als heute bekommen. Der Vorstand hat sich übrigens noch nicht förmlich entschieden, ob er die Einkommen dann auch bei sich kürzt.

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