• Die Häuslebauer in Hellersdorf bilden eine CDU-schwarze Enklave im sonst PDS-roten Bezirk

Berlin : Die Häuslebauer in Hellersdorf bilden eine CDU-schwarze Enklave im sonst PDS-roten Bezirk

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Durch Hellersdorf zieht sich ein Riss - politisch gesehen. Während in der Plattenbausiedlung mehr als 40 Prozent PDS wählte, gaben in Kaulsdorf und Mahlsdorf fast 36 Prozent der CDU ihre Stimme. Der 23-jährige Spitzenkandidat Mario Czaja führt diesen Erfolg vor allem auf die "bisherige Benachteiligung der im Siedlungsgebiet Wohnenden zurück". "Die Leute haben es satt, immer ein Anhängsel des Neubaugebietes zu sein", erklärt der Versicherungskaufmann. Schließlich liege gerade südlich der Bundesstraße 1/5 noch vieles im Argen: Es fehlen Schulen und Kindertagesstätten, die Straßen sind teilweise in einem schlechten Zustand und in vielen Bereichen gibt es noch keine Kanalisation.

Trotz der noch unfertigen Infrastruktur ziehen immer mehr Menschen dorthin. In den vergangenen 24 Monaten wurden in Mahlsdorf und Kaulsdorf sogar die meisten Bauanträge für Ein- und Zweifamilienhäuser in Berlin gestellt - ungefähr 600 pro Jahr. Diese neuen Gebäude prägen inzwischen auch das Bild. In fast jeder Straße strahlen farbenfrohe Massiv- und Fertigteilhäuser. Viele ältere Bauten wurden saniert, und Leerstand scheint es kaum zu geben, nur vereinzelt weisen Werbeschilder an Stadtvillen auf "Freie, komfortable Wohnungen" hin.

Auffallend sind die zahlreichen Firmenschilder: Tischler, Immobilienhändler und Versicherungsfirmen haben sich im Grünen niedergelassen. Dörfliche Idylle kommt aber erst auf, wenn man weit genug vom Hultschiner Damm, der großen Einkaufsstraße, entfernt ist. Tief im Siedlungsgebiet wachsen hohe Nadelbäume, stehen Birken an den kopfsteingepflasterten Straßen und parken neben modernen Klein- und Mittelklassewagen auch mal Trabis und Wartburgs. In den Vormittagsstunden sind vorwiegend ältere Menschen anzutreffen.

Ist das also das bürgerliche Hellersdorf? "Natürlich verdienen die meisten jüngeren Leute, die hierher ziehen, recht gut", sagt eine Anwohnerin. Doch die meisten hätten sich durch den Hausbau hoch verschuldet und müssten jetzt jeden Pfennig drei Mal umdrehen. "Wir fühlen uns nicht wie die Zehlendorfer des Ostens und wollen das auch nicht", sagt ein Bauunternehmer, der vor drei Jahren mit seiner Familie vom Neubau- ins Siedlungsgebiet zog. Aus seiner Sicht hätten die vielen Selbständigen mit der Christdemokraten eben "das Kapital gewählt".

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