Berlin : Die Hallen-Meisterschaft

Vor zehn Jahren öffnete Falk Walter die Treptower Arena als Veranstaltungsort. Inzwischen ist daraus ein kleines Kultur-Imperium geworden

Mathias Oloew

Das Programm zum Geburtstag ist so bunt wie zur Eröffnung Es roch nach Öl. Der Boden war fleckig, das Dach undicht. Irgendwo in der Mitte stand der Rest eines Doppeldecker-Oldtimers. Hier, in dieser riesengroßen Halle, in der die BVG einst ihre Busflotte wartete, hatte sich ein Hand voll kultureller Idealisten zusammengetan, um im Frühjahr 1995 ein Kulturprogramm zu organisieren, das es in Berlin so noch nicht gab. Der Halle gaben sie einen programmatischen Namen: Arena. Das passte für Theater, Sport, Show, Party und Happening gleichermaßen. So haben sie angefangen. So ist es bis heute geblieben.

Die Arena in Treptow wird heute zehn Jahre alt. Ähnlich wie ihre Eröffnung ist auch der Geburtstag Anlass für Festwochen mit Konzerten, Partys, Theater und vielen Glückwünschen. Gestern Abend wurde schon mal in das Jubiläum hineingefeiert. Angesagt hatten sich die Einstürzenden Neubauten, Bob Lenox und die Puppetmastaz – und zahlreiche Freunde der Arena. Im Gegensatz dazu war vor zehn Jahren die Schar jener groß, die bezweifelten, dass eine Kulturhalle dieser Größe im Nirgendwo zwischen Kreuzberg und Treptow lange durchhält. Die Arena und ihr Chef Falk Walter haben es bewiesen. „Es macht mir wahnsinnig Spaß, mich mit Dingen zu beschäftigen, die zunächst unmöglich erscheinen“, sagt er. Und noch mehr Spaß, Skeptiker und Banker von sich und seinen Ideen zu überzeugen.

Das hat er mit der Arena geschafft. Mehr noch: Die Halle ist zur Keimzelle für ein kleines Kultur-Imperium geworden, hat sich erweitert um das benachbarte Glashaus, den Freischwimmer, den Club der Visionäre, das Ausflugsschiff „Hoppetosse“ und vor allem um das weithin beachtete Badeschiff. Falk Walter kennt immer noch kein Halten. Die Kudamm-Disko Big Eden gehört seit zwei Jahren dazu, im nächsten Jahr will er das ehemalige Metropol-Theater an der Friedrichstraße unter seinem alten Namen Admiralspalast wieder eröffnen und aus einem alten Betonsteg der ehemaligen DDR-Grenzanlagen in der Spree eine Marina machen.

Das alles geschieht, ohne einen einzigen Subventions-Euro aus der Senatskulturschatulle.

Wie schafft er das? Auf diese Frage pflegt der Schauspieler und Kulturmanager gewöhnlich ausweichend zu antworten. Walter, 40, spricht dann gerne vom Teamgeist. Bei der Eröffnung der Arena sah das so aus: „Wir haben zusammen gewohnt und zusammen gekocht.“ Morgens schleppten er und seine Mitstreiter Dachpappen, abends verkauften sie Eintrittskarten und nachts spülten sie Gläser. Alle machten alles. So auch Walter. Er hat gelernt zu improvisieren und Risiken in Kauf zu nehmen.

Sein größtes Abenteuer ist das seiner Flucht aus der DDR. Mit einem Visum reiste er in die Mongolei, schlug sich nach Peking durch und gelangte von dort schließlich über Frankfurt am Main nach West-Berlin. Heute organisiert er, schauspielert, wenn er die Zeit dazu hat, und fegt, wenn nötig, die Halle aus.

Reich ist er durch das Arena-Abenteuer nicht geworden, „das war nie mein Ziel“, sagt er. Berührungsängste kennt er nicht. Daher ist das Programm der zurückliegenden zehn Jahre so bunt wie das der kommenden Festtage.

Mit Comedy, einer House-Party und einem Konzert von Marla Glen fing alles an. Später kamen Theaterproduktionen hinzu, wie die Vagina-Monologe oder Steins „Faust“-Inszenierung. In der Arena wurde der Europäische Filmpreis verliehen, präsentierte Mercedes mit einer pompösen Inszenierung seine S-Klasse, findet aber auch eine alljährliche Freizeitmesse statt. Der NDR sucht hier seit zwei Jahren das deutsche Lied für den Eurovision Song Contest, weil die Arena eine Halle ist, die einzigartig in Deutschland ist. Kein Kultur- sondern ein Industriebau, der einst als größte freitragende Halle auch eine technische Sensation war.

Heute riecht es nicht mehr nach Altöl. Das Dach ist saniert. Auch andere Baustellen sind beseitigt. Zum Beispiel der Streit um den Namen. Die Betreiber des Velodrom versuchten vor drei Jahren, ihre Halle in „Berlin-Arena“ umzutaufen und Falk Walter zu verbieten, seine Halle weiter Arena zu nennen. Walter ließ sich nicht einschüchtern und setzte sich vor Gericht schließlich durch.

Die Arena ist die Arena geblieben.

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