Berlin : Die Handschrift Picassos – echt oder falsch?

Auktionator kam mit gefundenem Kunstschatz vom Dachboden zum Kenner Heinz Berggruen

Matthias Oloew

Zwei große Mappen liegen auf dem Fußboden in Heinz Berggruens Arbeitszimmer. Unten, in den Räumen des Museums, hängen große, wichtige und vor allem nachweislich echte Werke von Picasso in der Ausstellung des Museums. Sollten in diesen beiden Mappen, die der Auktionator Werner Meyer mitgebracht hat, zwei weitere Arbeiten des Meisters liegen? Um das herauszufinden, hat Heinz Berggruen am Dienstag den Auktionator aus Cloppenburg eingeladen.

Meyer hat im Nachlass des Kölner Malers Max Paulus Zeichnungen gefunden, die er Picasso zurechnet. Der Nachlass lag über 20 Jahre unbeachtet auf einem Dachboden in der Nähe der niedersächsischen Kreisstadt. Der seit langem verstorbene Paulus hat das Treffen mit Picasso, das im September 1940 in Paris stattgefunden haben soll, in seinen unveröffentlichten Erinnerungen beschrieben. Auch sein Neffe sowie Bekannte aus Köln bestätigen, das sich der unbekannte Maler vom Rhein mit dem großen Meister getroffen und ihn gezeichnet hat. Die spannende Frage, die auch Berggruen interessierte: Ist unter den jetzt aufgetauchten Werken eines, vielleicht sogar zwei, die tatsächlich von Picasso stammen?

Werner Meyer klappt die großen Mappen auf. Zuerst deckt er dutzendweise Bilder auf, die Max Paulus gezeichnet hat, zumeist Portraits berühmter Zeitgenossen: Matisse, Zille, Heuss... In der zweiten Mappe kommen die Zeichnungen zum Vorschein, die von Picasso stammen sollen. Berggruen schiebt seine Brille auf die Stirn: „Hmmm." Er stellt den schweren Papierbogen auf einen Stuhl, neben dem eine Staffelei mit einem echten Picasso steht. Dann reicht Meyer ihm eine zweite Zeichnung, die Max Paulus zeigen und von Picasso stammen soll. Zweimal ist das Bild mit „Picasso" gezeichnet. Berggruen prüft die Schrift. Meyer stößt vor Aufregung zweimal gegen eine Stehlampe. Schließlich sagt Berggruen: „Ich könnte mir vorstellen, dass Paulus das signiert hat, und dann hat Picasso das auch getan." Ein Schriftzug „Pablo Picasso" stamme aber sicher nicht von Picasso: „Das hat er nie getan". Und die Zeichnung ? Der Fachmann stapelt tief: „Ich bin kein Experte."

Meyer und seine mitgereiste Frau Hilde bleiben entspannt. Auch wenn Berggruen im Vorfeld gesagt hatte, sein Urteil sei in jedem Fall unverbindlich, gehofft hatten die beiden schon, der Picasso-Fachmann werde erklären, die Werke seien echt. Doch dazu kommt es nicht. Stattdessen blättert Berggruen in seinem kleinen Adressbuch: „Ich gebe Ihnen die Nummern einer Picasso-Enkelin in Paris. Versuchen Sie ihr Glück."

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